Ein Spezialist für Hirngefäß-Erkrankungen
Professor Vatter leitet jetzt die Neurochirurgie




Prof. Dr. Hartmut Vatter ist neuer Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Bonn. Sein Spezialgebiet ist die Behandlung spontaner Hirnblutungen, wie der aneurysmatischen Subarachnoidalblutung, die ein lebensbedrohlicher Notfall ist und deren Symptomatik einem Schlaganfall ähnelt. Sein akademisches Augenmerk legt Prof. Vatter dabei unter anderem auf mögliche Strategien, derartige Blutungen zu verhindern oder die Schwere des Verlaufes zu verbessern. Ziel dabei ist immer, das Risiko einer Hirnschädigung zu senken und damit die zum Teil dramatischen Folgen für die Patienten zu reduzieren. Der langjährige Klinikdirektor Prof. Dr. Johannes Schramm übergab jetzt feierlich sein Amt an seinen 44-jährigen Nachfolger, der zuvor Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor an der Neurochirurgischen Klinik der Universität Frankfurt war.


Die Klinik für Neurochirurgie am Bonner Universitätsklinikum ist das größte neurochirurgische Zentrum in NRW und zählt zu den größten in Deutschland. 34 Operateure führen in vier, gerade modern sanierten OP-Sälen 2.700 Eingriffe pro Jahr durch. Die Klinik ist bereits seit Jahren für die Tumor- und Wirbelsäulenchirurgie als Kompetenzzentrum hervorragend etabliert und ist weltweit eines der führenden Zentren für Epilepsiechirurgie. Zusätzlich zu diesen Schwerpunkten will Prof. Vatter jetzt sein Spezialgebiet „Neurovaskuläre Chirurgie“, also die chirurgische Behandlung von Gefäßerkrankungen des Gehirns und Rückenmarks, als weitere große Säule in Bonn deutlich ausbauen. Dabei setzt er auch auf eine enge Zusammenarbeit mit der Neuroradiologie und Neurologie.

Ein Fall für ein multi-disziplinäres Zentrum

Schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben eine Gefäßaussackung im Gehirn, ein so genanntes Aneurysma. Pro 100.000 Einwohner platzt bei etwa neun Betroffenen dieses Aneurysma. Es kommt zu einer Blutung in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Spalt rund um das Gehirn. Diese als Subarachnoidalblutung bezeichnete Erkrankung stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar, der trotz modernster Behandlungsmethoden häufig tödlich endet.

Im ersten Schritt muss, um eine gefährliche erneute Blutungen zu verhindern und so die Chance für das Überleben entscheidend zu verbessern, in spezialisierten Zentren wie der Bonner Uni-Klinik das geplatzte Aneurysma sofort ausgeschaltet werden. „Dafür gibt es mehrere Strategien, die hauptsächlich von der Lage und Größe der Gefäßaussackung abhängen. In jedem Fall ist hier interdisziplinäre Teamarbeit gefragt“, sagt Prof. Vatter. Beim so genannten „Clipping“ wird das Aneurysma operativ mit einer kleinen Titanklemme verschlossen. Dies ist nur mikroneurochirurgisch unter zu Hilfenahme eines Operationsmikroskopes möglich. Eine andere häufig angewendete Methode ist das „Coiling“. Dabei wird eine hauchdünne Platinspirale mit einem Katheter über die Leistenarterie zum Aneurysma geführt. Dort füllt die Spirale die Aussackung aus.

Gefahr eines sekundären Schlaganfalls bannen

„Eine Subarachnoidalblutung löst eine Kaskade von Folgeerkrankungen aus, die die Prognose der Patienten weiter verschlechtert“, sagt der neue Direktor der Klinik. Innerhalb von vier bis 14 Tagen verengen sich die Blutgefäße krampfartig. Die Gefahr einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff ist groß. Eine weitere häufige Komplikation ist, dass sich die Hirnflüssigkeit anstaut und so der Druck auf das Hirngewebe steigt. Beides kann zu gravierenden Hirnschäden führen.

Der neue Kliniksdirektor stellt sich in seiner klinischen und experimentellen Forschung offenen Fragen. So ist beispielsweise noch unklar, wie spontane Aneurysmen entstehen oder wie eine krampfartige Verengung der Blutgefäße verhindert werden kann. Sein Augenmerk legt er somit unter anderem auf eine optimale Behandlung der Subarachnoidalblutung und deren Folgeerkrankungen, um so das Risiko einer Hirnschädigung zu minimieren. „Das ist ein breites Feld für internationale Multicenter-Studien auf höchstem Niveau“, sagt Prof. Vatter, der sich wesentlich an solchen Studien beteiligt.

„Ruhende“ Bombe oder Blindgänger?

Ein Aneurysma im Gehirn ist tückisch, da es vorher oft keinerlei Symptome verursacht. Es trifft oft vermeintlich gesunde Menschen in der Mitte des Lebens: Bei plötzlich einsetzenden extremen Kopfschmerzen, einem steifen, schmerzenden Nacken und Bewusstseinsstörungen, ist die „ruhende“ Bombe im Gehirn geplatzt. Doch es gibt immer mehr Betroffene mit einem Aneurysma als Zufallsbefund. Obwohl ein Aneurysma eher selten reißt, ist die Angst der Betroffenen davor groß. Diese Patienten brauchen eine gute gemeinsame Beratung von Neurochirurgen, Neuroradiologen und Neurologen. Denn es gilt das Risiko einer Entschärfung des Aneurysmas und die Gefahren einer plötzlichen Blutung gut abzuwägen.

„Man nimmt letztlich ein Risiko in Kauf, um etwas Schlimmeres zu verhindern“, konstatiert Prof. Vatter. „Dank der modernen Medizin kann ein erfahrener Neurochirurg bei einem solchen Eingriff die Komplikationsrate sehr gering halten. Allerdings muss man zusammen mit dem Patienten ehrlich die Risiken und die Erfolgsraten anhand seiner persönlichen Behandlungserfahrungen abwägen können."

Kontakt für die Medien:
Prof. Dr. Hartmut Vatter
Direktor der Klinik für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-16501
E-Mail: hartmut.vatter@ukb.uni-bonn.de

Bilder:
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Feierliche Amtsübergabe:
Dekan der Medizinischen Fakultät Prof. Dr. Max P. Baur, Prof. Dr. Hartmut Vatter, Prof. Dr. Johannes Schramm und der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Holzgreve (v. links)
© Rolf Müller / Medienzentrum UKB
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