Griechische Pflegekräfte arbeiten in Bonn
Bonner Uniklinikum begegnet Fachkräftemangel in der Intensivpflege




Pflegefachkräfte werden vor allem im Intensivbereich deutschlandweit gesucht. Vorsorglich geht das Universitätsklinikum Bonn jetzt einen neuen Weg: Es gibt bis zu zehn gut ausgebildeten Berufseinsteigern aus Griechenland hier eine Chance auf Arbeit und bildet sie vor Ort weiter zu Intensivpflegekräften aus. Mit Hilfe eines Personaldienstleisters fand es die geeigneten Kandidatinnen. Damit die Griechinnen in Deutschland gut Fuß fassen können, werden sie neben regulären Sprachkursen in den deutschen Fachtermini geschult und in das Intensivpflege-Team integriert.


Obwohl Eleni Despina Asser nach einem vierjährigen Studium ihren Bachelor in der Tasche hatte, gibt es für die gut ausgebildete Pflegefachkraft in der Heimat keine Aussicht auf einen Berufseinstieg. Zusammen mit 7.500 Pflegefachkräften findet die 26-Jährige derzeit in Griechenland keine Arbeit. So ergriff sie die Chance, die Alexander Pröbstl, Pflegedirektor des Bonner Universitätsklinikum, ihr in einem Gespräch in Athen bot: „In Bonn gefällt es mir richtig gut. Hier möchte ich nicht nur meine fachlichen Fähigkeiten weiter verbessern, sondern auch meine Deutschkenntnisse.“ Da die Ausbildung im EU-Land Griechenland gleichwertig ist, kann Eleni Asser nach einer kurzen Anerkennungszeit in Deutschland als Pflegefachkraft arbeiten.

Ein Sprung in eine neue Welt

Für die 26-Jährige aus Lamia war es eine schwerwiegende, das Leben verändernde Entscheidung. Doch auch die deutschen Akteure haben es sich im Vorfeld nicht einfach gemacht: „Es stellte sich uns die Frage, ob es in der jetzigen Situation Griechenlands gut ist, von dort Fachkräfte aufzunehmen. Die richtige Balance ist enorm wichtig“, sagt Pflegedirektor Pröbstl. So suchten er und Personaldienstleister Randstad das Gespräch mit der Hellenic Nurses Association. „Die Situation ist so dramatisch für die jungen Absolventen, dass der dortige Berufsverband deren Aussicht auf einen Arbeitsplatz in Deutschland begrüßt“, sagt Frank Eggert, Manager Medical bei Randstad. Doch die Hoffnung bliebe, in ein paar Jahren exzellente Fachkräfte zurück zu bekommen, die sich in Deutschland weitergebildet haben.

Gelungene Integration

Mit zwei griechischen Kolleginnen startete Eleni Asser zunächst für zwei Wochen in der Pflegeschule am Bonner Universitätsklinikum. Denn obwohl es in der griechischen Ausbildung kaum praktische Differenzen zur deutschen gibt, fehlen doch Kenntnisse der hiesigen Fachausdrücke. „Sie haben uns schon gezeigt, dass sie ein gut ausgebildetes Trio sind und gut lernen können. Doch gerade so viele sprachliche Fortschritte in dieser kurzen Zeit, finde ich enorm“, sagt Pflegedirektor Pröbstl.

Dann nahm ein 80-köpfiges, sehr erfahrenes Intensiv-Pflegeteam des Bonner Uniklinikums das Trio auf und die Neulinge bekamen je einen Praxisanleiter als Mentor zur Seite gestellt. So können sie unter kompetenter Fachanleitung auf einer hervorragend ausgestatteten Intensivstation die Besonderheiten der intensivmedizinischen Pflege lernen. Insgesamt sechs Monate werden sie nach den hiesigen Standards zu Intensivpflegekräften fortgebildet und drücken mindestens einmal pro Woche die Schulbank in der Pflegeschule. Zusätzlich besuchen sie über Randstad organisierte Deutschkurse. Wenn alles zur Zufriedenheit aller klappt, übernimmt das Universitätsklinikum Bonn das Trio im nächsten Jahr ganz.

Ausgeprägte Willkommenskultur

„Alle drei sind gut angekommen und mit raschen Fortschritten dabei. Bei der intensivmedizinischen Betreuung stehen sie noch am Anfang“, sagt Betriebswirtin und Intensivfachkrankenschwester Rita Graw, Stationsleitung der Intensivstation, die sich sehr bemüht, die drei Neulinge in das Team zu integrieren. Und das mit Erfolg: „Die Kollegen sind sehr nett und beantworten alle Fachfragen. Ich bin sehr glücklich hier auf der Station“, sagt Eleni Asser. Die Erfahrungen zeigten, dass neue ausländische Kollegen auf einer großen Normalstation mit mehr und häufig wechselnden Patienten sich eher isolieren. „Ein kleines Team und ein persönlicher Coach in der Arbeitswelt ist ein guter integrativer Mix“, sagt Ernst Fenselau, Pflegebereichsleitung Intensivstationen. Auch Eggert weiß, dass neben Einarbeitung eine ausgeprägte Willkommenkultur ein Erfolgsfaktor ist: „Es ist wichtig, bei einer solchen weittragenden Entscheidung erleichternde Brücken zu bauen, wie eine bereits im Vorfeld geklärte Wohnungsfrage.“ Nach dem bisherigen Erfolg freuten sich jetzt alle darüber, Anfang Juli zwei neue Kolleginnen aus Griechenland zu begrüßen und Anfang August erwarten sie drei weitere auf dem Bonner Venusberg.

Fotos zu dieser Pressemitteilung finden Sie unter: http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/186-2012

Kontakt:
Alexander Pröbstl
Pflegedirektor des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-16671
E-Mail: Alexander.Proebstl@ukb.uni-bonn.de