Bettnässen: Neue Wege zu einer trockenen Nacht
Behandlungskonzept und Schulungsprogramm bei Harninkontinenz im Kindes- und Jugendalter




Etwa jedes zehnte Kind im Alter von sieben und zehn Jahren nässt wiederholt nächtlich ein; tagsüber etwa jedes Fünfte. Meistens fehlt den Betroffenen die Kontrolle über ihre Blase, die jedoch von ihnen erlernt werden kann. Um die Diagnostik und Behandlung von kindlicher Harninkontinenz zu vereinheitlichen, kindgerecht und möglichst ohne belastende Maßnahmen zu gestalten, haben sich Fachleute aus Medizin, Psychologie, Pädagogik und Physiotherapie zusammengetan und ein abgestuftes Behandlungskonzept und ein Schulungsprogramm entwickelt, das sich an betroffene Kinder und deren Familien richtet. Am 26. und 27. Oktober treffen sie sich auf der 2. Gemeinsamen Jahrestagung der Konsensusgruppe Kontinenzschulung im Kindes- und Jugendalter (KgKS) und der AG Urotherapie in Bonn.

Bettnässen ist ein Tabuthema und wird häufig auf psychische Faktoren geschoben. Doch der Erwerb der Blasenkontrolle ist ein hochkomplexer und sehr störungsanfälliger Reifungsprozess. Bis zur Vollendung des fünften Lebensjahres ist Bettnässen in der Regel altersgemäß. „Der Zeitpunkt, zu dem es krankhaft wird, ist für jedes Kind individuell. Neben medizinischen Kriterien spielen vor allem Entwicklungsaspekte und die Lebenssituation des Kindes eine Rolle“, sagt Thomas Engels, Urotherapeut und Pflegeleiter an der Urologischen Poliklinik des Universitätsklinikum Bonn.

Als Mitglied der KgKS sieht er die Harninkontinenz im Kindes- und Jugendalter als sehr vielschichtig an. So ist sie beispielsweise nicht nur Folge einer gestörten Blasenfunktion oder Hormonstörungen. Vielmehr basiert sie auf einer komplexen Wechselwirkung von körperlichen, seelischen und sozialen Faktoren. Dabei fällt auch die gesellschaftliche und familiäre Wertung des Einnässens ins Gewicht. „Dies alles muss bei der Diagnostik und Therapie betroffener Kinder und Jugendlicher berücksichtigt werden“, sagt Engels.

Ein Gefühl für den Körper entwickeln

Die neue Kontinenzschulung basiert auf der so genannten Urotherapie, bei der nur verhaltenstherapeutische, systemische und lösungsorientierte Elemente zum Einsatz kommen. Die Betroffenen lernen zunächst spielerisch ihren Körper besser kennen und dessen Signale besser wahrzunehmen. Zudem wird das Trink- sowie das Toilettenverhalten besprochen und die Umsetzung in den normalen Tagesablauf geplant. „Das Kind lernt seine Blase so zu trainieren, dass sie ihm automatisch gehorcht“, sagt Engels. „Dieser Prozess verlangt viel Ausdauer und Willenskraft von den Kindern. Sie brauchen positive Unterstützung seitens der Eltern.“

Sind organische Ursachen ausgeschlossen können Kinder und Jugendliche mit einer Harninkontinenz nach einer individuellen Prüfung an einer Kontinenzschulung teilnehmen. Das Schulungsteam ist interdisziplinär zusammengesetzt: Arzt, Psychologe oder Pädagoge sowie Medizinische Assistenzberufe wie Kinderkrankenpfleger, Physiotherapeut, Ergotherapeut oder Urotherapeut. Mindestens ein Mitglied des Schulungsteams muss ein Trainerzertifikat der KgKS besitzen.

Mehr Informationen gibt es unter http://www.kontinenzschulung.de und http://www.urotherapie.de

Hinweis für die Medien:

Vertreter der Medien sind herzlich eingeladen, sich im Rahmen der Tagung selbst ein Bild über das neue Schulungskonzept bei Harninkontinenz im Kindes- und Jugendalter zu machen. Thomas Engels und Dr. Eberhard Kuwertz-Bröking stehen am 26. Oktober 2012, um 11 Uhr im Wissenschaftszentrum, Ahrstr. 45, 53175 Bonn, gerne für Fragen zur Verfügung. Um Anmeldung unter inka.vaeth@uni-bonn.de wird gebeten.

Kontakt:
Thomas Engels
Pflegerische Leitung der Urologischen Poliklinik; Urotherapeut, Kontinenztrainer Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-14280
E-Mail: thomas.engels@ukb.uni-bonn.de