Medizin 21



OffeneVeranstaltungsreihe des Studiendekanats
Medizin im 21. Jahrhundert

Hörsaal des Lehrgebäudes (am Parkhaus Nord)
Beginn: 19.30 Uhr s.t., ca. 90 Minuten
Referat mit Diskussion, anschließend Ausklang

Das Plakat zur Veranstaltungsreihe (PDF) finden Sie hier.


Donnerstag, 29.4.2010
Dr. Wibke Janssen
„Sei mir gegrüßt, Melancholie …“
Ein interdisziplinärer Dialog über ein schillerndes Phänomen

Anhand von Beispielen aus Dichtung, darstellender Kunst und Film wird in den Horizont der Melancholie eingeführt. Zwischen Medizin, Kunst und Theologie/Philosophie ergeben sich Anknüpfungspunkte für einen konstruktiv-kritischen Dialog über Melancholie.

Die Melancholie ist ein schillerndes Phänomen. Sie steht für Schwermut, Weltschmerz und existenzielle Langeweile, aber auch für Genie und ein vertieftes Weltverständnis. Das Entstehen von Melancholie wird in wechselhafter Geschichte durch eine Konstellation der menschlichen Körpersäfte, das Wirken eines Dämons, den Einfluss des Planeten Saturn oder sündhaftes Verhalten erklärt. Von der Antike bis heute streiten die Gelehrten über das Verständnis von Melancholie. Ist sie in Gestalt der Depression eine Krankheit, die der Behandlung bedarf, oder ist sie eine berechtigte Haltung, eine angemessene Form der Lebensbewältigung? Liegt ihre Wahrheit in einer Verbindung beider Deutungen?

Zur Person
Dr. theol. Wibke Janssen ist Pfarrerin in der Evangelischen Klinikseelsorge des Universitätsklinikums Bonn. Sie arbeitet an einer Untersuchung zur Mentalitätsgeschichte der Melancholie.

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Donnerstag, 10.6.2010
Dr. Hans-Georg Hofer
Haben Männer „Wechseljahre“?
Eine Antwort und ein Plädoyer aus der Medizingeschichte

Der Vortrag historisiert die medizinische Diskussion über das Klimakterium des Mannes, zeigt Möglichkeiten auf, wie mit der umstrittenen „Realität“ der männlichen Wechseljahre umgegangen werden kann und argumentiert, dass sich aus der Beschäftigung mit diesem Thema eine Menge über den historischen Wandel von geschlechtsspezifischen Zuschreibungen von Alter(n) lernen lässt. Hans-Georg Hofer zeigt in seinem Vortrag, dass diese Debatten nicht neu, sondern nur erneut aktuell geworden sind.

Altern Frauen und Männer gleichermaßen? Gibt es nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern eine Phase des Älterwerdens, die sich als Zeit der Wechseljahre bezeichnen lässt? Über diese Fragen ist zuletzt in Medizin und Öffentlichkeit kontrovers diskutiert worden. Hierbei sind erhebliche Auffassungsunterschiede deutlich geworden: Während Befürworter mit Hinweis auf biochemische Erklärungsmuster darauf insistieren, dass es Wechseljahre beim Mann in weiter Verbreitung tatsächlich gibt, sehen Kritiker in dieser Bezeichnung eine erfundene Krankheit im Sinne eines Phantasieprodukts, das Männerärzte und Pharmaindustrie aus klientelstrategischen und finanziellen Interessen geschaffen hätten.

Zur Person
Dr. Hans-Georg Hofer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Medizinhistorischen Institut der Universität Bonn und war zuvor an der Universität Freiburg tätig; Fellowships in Wien, Manchester und Durham. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen u.a. die Geschichte der Psychiatrie und Endokrinologie sowie die Kulturgeschichte der Medizin nach 1945.

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Donnerstag, 8.7.2010
Prof. Dr. Matthias Schrappe
„Herr Doktor, gestern waren die Pillen noch gelb“
Verbesserung der Patientensicherheit anhand praktischer Beispiele

Anhand praktischer Beispiele (Rechts-Links-Verwechselung, Arzneimitteltherapiesicherheit, Fehlerlernsysteme etc.) werden in dem Vortrag die wichtigsten Techniken dargelegt, die es erwarten lassen, dass wir zu einer Verbesserung der Patientensicherheit kommen.

Unerwünschte Ereignisse sind nicht das Resultat des individuellen Versagens einer Person, sondern Konsequenz einer Verkettung unglücklicher Umstände, der sog. Fehlerkette. Die Analyse der Fehlerkette erlaubt es, wirksame Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, die diese unterbrechen und so den Schaden vom Patienten abwenden. Wichtig ist es zum Beispiel, über Fehler offen sprechen zu können. Seit fünf Jahren gibt es in Deutschland das Aktionsbündnis Patientensicherheit, das auch das Bonner Institut für Patientensicherheit trägt. Der Handlungsbedarf ist enorm, aufgrund deutscher und internationaler Studien ist davon auszugehen, dass 2 bis 4% der Krankenhauspatienten ein vermeidbares, auf einen Fehler zurückgehendes Ereignis erleiden.

Zur Person
Direktor des Institut für Patientensicherheit der Universität Bonn; bis 6/2009 Generalbevollmächtigter der Uniklinik Frankfurt; bis 2/2007 Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Universität Witten/Herdecke und Dekan der Medizinischen Fakultät; zuvor Ärztlicher Direktor der Uniklinik Marburg. Gründungspräsident und Mitglied im Vorstand Aktionsbündnis Patientensicherheit; Vorstandsmitglied Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung; stellv. Vorsitz Sachverständigenrat Gesundheit, Vorsitz Wissenschaftlicher HTA-Beirat DIMDI.

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Ansprechpartner/-in
Michael Hasse
Studiendekanat
Sigmund-Freud-Straße 25
53125 Bonn

Telefon: 0228 / 287-11550
E-Mail: michael.hasse@ukb.uni-bonn.de