Patientenkolloquium 2019
Das Universitätsklinikum Bonn möchte Sie auch 2019 wieder für das Patientenkolloquium "Uni-Medizin für Sie: Mitten im Leben" herzlich einladen ... weiterlesen

Bonner Wunder zum Jahresbeginn

Totales Lungenversagen und sein Leben hängt an einem seidenen Faden: Seine einzige Rettung ist die Künstliche Lunge ECMO - steht für Extrakorporale Membranoxygenierung. Diese steht nur an wenigen Zentren in Deutschland zur Verfügung. Das speziell geschulte Intensiv-Team am Universitätsklinikum Bonn musste die ECMO-Therapie bei Felix O. (Name geändert) über sieben Tage durchführen. Für die Uni-Ärzte ein Wunder: Der junge Mann lebt und trotz kurzzeitigen Sauerstoffmangels im Gehirn ist er nicht geschädigt.
Ein Badeunfall kostete Felix O. fast sein Leben: Sein Lungengewebe saugte eingedrungenes Wasser wie ein Schwamm auf und schwoll an. Die Lungenbläschen sackten zusammen und die Atmung blockierte. Zudem drangen Wassermoleküle in die roten Blutkörperchen ein und diese platzten. Sein Kreislauf war überfordert und sein Herz schlug nur noch langsam. „Der Zustand unseres Patienten war außerordentlich kritisch und er ließ sich auch nicht mehr beatmen“, sagt Professor Dr. Christian Putensen, Leiter Operative Intensivmedizin an der Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin. Die Bonner Ärzte befürchteten einen Tod durch Hirnschwellung oder eine Schädigung des Gehirns bedingt durch Sauerstoffmangel. Mögliche Folgen sind unter anderem Merkfähigkeit- und Verhaltensstörungen oder sogar schwerste Behinderungen.

Daher schlossen die Bonner Intensivmediziner Felix O. an die Künstliche Lunge ECMO. Ausgehend von zwei fingerdicken Kanülen in den Leisten-Venen fließen fünf bis sechs Liter Blut pro Minute an einer eng aufgewickelten, halbdurchlässigen Membran entlang und über eine Kanüle in der Hals-Vene wieder in den Körper zurück. An der Membran wird das Blut mit Sauerstoff angereichert und gleichzeitig dem Blut giftiges Kohlendioxid entzogen. So übernimmt die ECMO die Lungenfunktion. „Bei dem heutigen Standard kommt es nur selten zu Komplikationen, da Medikamente zur Blutverdünnung nicht mehr nötig sind“, sagt Privatdozent Dr. Hermann Wrigge, Oberarzt an der Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin.

Dank immer besserer Beatmungsstrategien muss eine ECMO heutzutage nur noch selten eingesetzt werden. „Doch bei unserem Patienten war es wichtig, ihn frühzeitig an die ECMO anzuschließen. Nur so hatte er eine Chance, dass sein Gehirn keinen Schaden erleidet“, sagt Professor Putensen. Jetzt liegt Felix O. auf der Normalstation und empfindet eine unendliche Dankbarkeit für die Menschen, die ihm geholfen haben. „Alle bis hin zu den Ersthelfern haben das Richtige zur richtigen Zeit getan und mir so ein zweites Leben geschenkt.“

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Christian Putensen
Leiter Operative Intensivmedizin
Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-14118
E-Mail: putensen@uni-bonn.de