„Sterbewunsch ist häufig Hilferuf“
Prof. Radbruch zur aktuellen Diskussion zur Sterbehilfe




Nach dem Doppel-Suizid eines Seniorenpaares diskutiert Frankreich, ob nicht doch in Ausnahmefällen die aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen, erlaubt sein soll. Der deutsche Gesundheitsminister Hermann Gröhe plant dagegen, gesetzlich jede Form der organisierten Suizidhilfe zu verbieten. Passive Sterbehilfe ist in beiden Ländern erlaubt. Lebenserhaltende Behandlungen dürfen beendet oder gar nicht erst begonnen werden, wenn der Patient dies so will. Wichtig hierbei ist, dass nicht der Verzicht auf die Behandlung zum Tod führt, sondern dass zugelassen wird, dass das Sterben seinen Lauf nimmt. Hierzu nimmt Prof. Dr. Lukas Radbruch, Direktor der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Bonn, Stellung:


Welche Rolle spielt die Palliativmedizin in Deutschland in der passiven Sterbehilfe?
Im Rahmen der Sterbehilfe kann jede Therapie beendet oder darauf verzichtet werden kann, wenn der Patient dies will. Diese Möglichkeiten befürwortet die Palliativmedizin ausdrücklich. Denn es ist ein ihr wesentliches Merkmal, dass die Prioritäten, Bedürfnisse und Werte der Patienten besprochen werden und die gesamte Behandlung darauf abgestimmt wird. Damit hat in den letzten 20 Jahren die Palliativmedizin ständig dafür gekämpft, dass Patienten die passive Sterbehilfe nutzen können, wenn sie dies wollen.

Überdenken palliativmedizinisch betreute Patienten ihren Wunsch auf aktive Sterbehilfe?
Der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe wird nur von wenigen Patienten geäußert. Ein Teil davon rückt schnell davon ab, wenn sie über die Alternativen informiert worden sind. Für andere ist es wichtig, dass ihr Wunsch nach aktiver Sterbehilfe ernst genommen und akzeptiert wird, ohne dass er in die Tat umgesetzt werden muss. Nur einzelne Patienten bleiben bei dem klaren Wunsch.

Wie stehen Sie als Palliativmediziner zur aktiven Sterbehilfe?
Als Arzt habe ich mich klar entschieden, auf keinen Fall aktive Sterbehilfe zu leisten. Dies hängt mit meinem Selbstverständnis zusammen: Ich bin Arzt geworden, um Leiden zu lindern, nicht um Leben zu beenden. Als Palliativmediziner wird diese Haltung noch verstärkt. Ich sehe zu oft, dass die Frage nach Sterbehilfe eher ein dringender Ruf nach Gesprächen und Hilfe, manchmal auch ein wichtiges Ventil für die Hilflosigkeit ist, ohne dass die Patienten wirklich aktive Sterbehilfe wollen.

Vertreter der Medien sind eingeladen Fragen an Prof. Radbruch zu stellen, der gerne für ein Gespräch zur Verfügung steht:

Prof. Dr. Lukas Radbruch
Klinik für Palliativmedizin, Universitätsklinikum Bonn
Zentrum für Palliativmedizin, Malteser Krankenhaus Bonn
Telefon: 0228/287-13494
E-Mail: lukas.radbruch@ukb.uni-bonn.de


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Bonner Palliativmediziner
Professor Dr. Lukas Radbruch
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