Patientenkolloquium 2019
Das Universitätsklinikum Bonn möchte Sie auch 2019 wieder für das Patientenkolloquium "Uni-Medizin für Sie: Mitten im Leben" herzlich einladen ... weiterlesen

HIV: Späte Diagnose kostet viele Menschenleben

Die AIDS-Epidemie hat bis heute weltweit mehr als 20 Millionen Menschenleben gefordert. „Die Epidemie verläuft weiter ungebremst“, betont Professor Dr. Jürgen Rockstroh, Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft DAIG und Immunologe an der Universität Bonn, anlässlich des Welt-Aids-Tages am morgigen 1. Dezember. Zahlreiche Betroffene erfahren laut DAIG zudem erst sehr spät, dass sie mit dem HI-Virus infiziert sind. Diese verspätete Diagnosestellung koste viele Patienten das Leben.
Die aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Programm zu HIV und AIDS (UNAIDS) sind alarmierend: Weltweit wird die Anzahl der Menschen, die mit HIV leben, auf 33,2 Millionen geschätzt. Im Jahr 2007 haben sich 2,5 Millionen Menschen neu mit dem Virus infiziert. Über zwei Millionen Erkrankte sind im letzten Jahr an AIDS-assoziierten Komplikationen gestorben. Die Zahl der Todesfälle durch HIV und AIDS seit Beginn der Epidemie ist damit weltweit auf über 20 Millionen gestiegen.

Die im Vergleich zum Vorjahr etwas geringere Anzahl der weltweit geschätzten HIV-Fälle geht auf die Einführung eines verbesserten Monitoring-Systems sowie auf die Ergebnisse neuerer Umfragen zurück. „Der vermeintliche Rückgang reflektiert somit eher die neue Berechnungsform als eine tatsächliche Abnahme von Neuinfektionen“, betont DAIG-Präsident Professor Dr. Jürgen Rockstroh.

Unverändert sind die Länder Afrikas unterhalb des Saharagürtels mit zwei Drittel aller Infizierten weltweit am stärksten betroffen. In Osteuropa einschließlich Russland sind die HIV-Infektionsraten seit 2001 auf das Zweieinhalbfache gewachsen und steigen unverändert weiter. Weltweit findet sich die Hälfte aller HIV-Infektionen bei Frauen, insbesondere bei jungen Frauen im gebärfähigen Alter. Grund sind sexuelle Gewalt, die mit der großen Armut in vielen Ländern einhergehende Prostitution sowie mangelnde Schutzmöglichkeiten, beispielsweise durch Kondome.

50 Prozent aller Betroffenen in Europa kennen ihre Diagnose nicht

Die neuen epidemiologischen Zahlen für Europa und Deutschland sind ebenfalls alarmierend. In West-Europa wird von 760.000 HIV-Kranken, in Ost-Europa sogar von 1,6 Millionen ausgegangen. Seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen damit stetig gestiegen. Mit 504 Infektionen auf eine Million Einwohner ist die Prävalenz von HIV derzeit in Estland am höchsten.

Neue Modellberechnungen gehen davon aus, dass 50 Prozent der Menschen, die in Europa mit HIV infiziert sind, ihre Diagnose nicht kennen. Viele Betroffene erfahren erst nach Ausbruch der AIDS-Erkrankung von ihrer Infektion mit dem Virus. Diese verspätete Diagnosestellung kostet viele Patienten das Leben. Daher haben sich in dieser Woche erstmals Politiker, Ärzte und Patientenvertreter in Brüssel im Rahmen zu einer wissenschaftlichen Konferenz getroffen, um über eine bessere Versorgung und optimierte HIV-Teststrategien zu diskutieren. Die Konferenz wurde von der DAIG unterstützt.

Deutschland: Fünf Prozent mehr Neuinfektionen

In Deutschland leben momentan insgesamt etwa 59.000 Menschen mit einer HIV-Infektion oder AIDS-Erkrankung. Nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts haben sich in diesem Jahr etwa 3.000 Personen neu infiziert, rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Deutsche AIDS-Gesellschaft will sich für eine Intensivierung der AIDS-Vorsorge einsetzen. Hierzu gehört auch die Vorbereitung eines wissenschaftlichen Symposiums zu diesem Schwerpunkt. Darüber hinaus will sich die DAIG insbesondere in den HIV-Epidemiegebieten in Ost-Europa engagieren. Vor allem die Vermeidung der Mutter-Kind-Übertragung hat in den am stärksten betroffenen Ländern höchste Priorität. Die DAIG nutzt dazu Konzepte, die unter ihrer Schirmherrschaft zum Thema HIV und Schwangerschaft entwickelt wurden. Behandlungsstrategien auf dem hohen Niveau der Industrieländer sollen auch in geplante Ausbildungsprogramme und medizinische Kooperationen mit HIV-Versorgungseinrichtungen in Afrika einfließen.

Weitere Informationen im Internet:
UN-Programm zu HIV und AIDS: www.unaids.org
CDC Europa: www.ecdc.europa.eu
Robert-Koch-Institut: www.rki.de
Europäische Aids-Konferenz 2009 in Köln: www.eacs-conference2009.com


Kontakt:
Nicole Bentrup
Sekretariat der Deutschen AIDS-Gesellschaft e.V.
Medizinische Klinik und Poliklinik 1, Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-11208
E-Mail: DAIG@ukb.uni-bonn.de
www.daignet.de