Deutsche Schüler wissen kaum etwas über Chlamydien
Der häufigste Erreger bakterieller Geschlechtskrankheiten ist hierzulande erschreckend wenig bekannt




Die Infektion mit Chlamydien ist in Industrieländern die häufigste bakterielle Geschlechtskrankheit. Dennoch wissen deutsche Schüler kaum etwas über die Erkrankung, die bei Frauen zur Unfruchtbarkeit führen kann. Ihre dänischen Altersgenossen sind dagegen weitaus besser informiert. Das zeigen Forscher der Universität Bonn zusammen mit einer Schweizer Wissenschaftlerin in einer aktuellen Studie (doi: 10.1016/j.socscimed.2010.01.48). Die Resultate belegen auch, dass Wissen nicht vor Fahrlässigkeit schützt: Weder in Deutschland noch in Dänemark greifen Jugendliche gerne zu Kondomen, um einer Ansteckung vorzubeugen.



Chlamydien-Infektionen verlaufen häufig unbemerkt. Unbehandelt können sie aber bei Frauen zur Unfruchtbarkeit führen. Allein in Deutschland schätzt man die Zahl der Betroffenen auf mehr als 100.000.

Besonders häufig trifft die Infektion Jugendliche unter 25 Jahren. In Dänemark versucht man daher in den vergangenen Jahren verstärkt, gerade diese Zielgruppe über die Geschlechtskrankheit aufzuklären.

Chlamydien? Nie gehört.

Mit Erfolg, wie die Studie von Dr. Dr. Charis Lengen, Sabine Jäger und Professor Dr. Thomas Kistemann belegt: Sie hatten knapp 200 Schüler zwischen 15 und 19 Jahren aus Bonn und dem dänischen Aarhus zu Sexualität, Verhütung und Geschlechtskrankheiten befragt. In der Rheinstadt hatte nur jeder siebte Teilnehmer schon einmal etwas von Chlamydien gehört. Unter den Aarhuser Schülern lag diese Quote dagegen bei knapp 90 Prozent.

Dass das Kondom am besten vor Geschlechtskrankheiten schützt, wussten Deutsche und Dänen dagegen gleichermaßen. In beiden Städten setzten jeweils neun von zehn Schülern ihr Kreuzchen an der entsprechenden Stelle. Dazu dürfte hierzulande auch die AIDS-Aufklärungskampagne beigetragen haben.

Kondom ist wenig populär

Dennoch ist das Kondom weder in Deutschland noch in Dänemark bei Jugendlichen sonderlich populär: Nur 50 Prozent aller Befragten gaben zu Protokoll, mittels Präservativ zu verhüten. Rund 70 Prozent griffen dagegen zur „Pille“ (Mehrfachnennungen waren möglich). „Junge Menschen scheinen die Ansteckungsgefahr bei sexuellen Kontakten zu unterschätzen“, vermutet Professor Kistemann. „Viel mehr als eine Infektion mit Viren oder Bakterien fürchten sie eine ungewollte Schwangerschaft.“

Kistemann warnt angesichts der vergleichsweise kleinen Gruppe von Befragten vor allzu weitreichenden Schlüssen. „Unsere Daten zeigen aber eindeutig, dass die sexuelle Aufklärung über Medienkampagnen funktioniert. Es kommt nun darauf an, die Funktion von Kondomen als wirksamer Schutz vor Ansteckung noch besser herauszustellen.“

Kontakt:
Professor Dr. Thomas Kistemann
Abt. Medizinische Geographie und Public Health, Universität Bonn
Telefon: 0228/287-15534
E-Mail: Thomas.Kistemann@ukb.uni-bonn.de