Drahtnetz entfernt Blutpfropf aus Hirnarterie
Schlaganfall: Uni-Klinikum Bonn bietet neuartige Methode an




Infarkt im Hirnstamm: Bereits bewusstlos wurde Kay-Uwe H. im Universitätsklinikum Bonn eingeliefert. Aufgrund der akuten lebensbedrohlichen Situation und möglichst bevor das verstopfte Blutgefäß bleibende Schäden im Gehirn verursacht, behandelten dort hochspezialisierte Neuroradiologen den 55-Jährigen sofort mit einer neuerdings immer häufiger angewendeten Methode. Dabei entfernten sie das die Schlagader verstopfende Blutgerinnsel über einen Katheter mechanisch mit einem Netz aus dünnem Draht, einem so genannten Stent-Retriever. Jetzt steht Kay-Uwe H. wieder mitten im Leben. Außer einem gelegentlichen Schwindelgefühl erinnert nichts mehr an den Schlaganfall.

Es war bereits sein dritter Schlaganfall: Plötzlich war ihm schwindlig. Auch spürte Kay-Uwe H. ein Kribbeln in Armen und Beinen bis hin zu Lähmungen. Auf dem Weg zum Universitätsklinikum Bonn, das für Schlaganfall-Patienten rund um die Uhr eine Spezialstation, die so genannte Stroke Unit, betreibt, wurde der 55-Jährige im Notfallwagen bewusstlos. Auslöser war ein vollständiger Verschluss der Arteria basilaris, die aus den beiden Wirbelarterien entspringt. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall, denn durch den Sauerstoffmangel drohen Gehirnzellen innerhalb kurzer Zeit abzusterben, die unter anderem für Kreislauf und Atmung verantwortlich sind. „Gerade bei einem so ausgeprägten Schlaganfall zählt jede Minute. Kay-Uwe H. ist rechtzeitig zu uns gekommen. So hat er nicht nur überlebt, sondern wir konnten auch schwere Lähmungen verhindern“, sagt Prof. Dr. Elke Hattingen, Leiterin der Neuroradiologie an der Radiologischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn.

„Fischernetz“ fängt Blutgerinnsel ein

Innerhalb weniger Minuten lokalisierten die Bonner Ärzte mit Hilfe eines Computertomografen das große Blutgerinnsel im Gehirn. Anschließend halfen sie Uwe H. sofort mit einer so genannten Thrombektomie. Dazu führte Dr. Christian Mayer - wie Prof. Hattingen ein hochspezialisierter Neuroradiologe - einen Mikrokatheter unter Röntgenkontrolle über die Leiste zu dem Verschluss in der Arteria basilaris. Dort klappte er den Stent-Retriever auf, der wie ein Fischernetz geformt ist. „Das Blutgerinnsel verfängt sich in den Maschen des Drahtgerüsts“, sagt Neuroradiologe Mayer. Nach fünf Minuten zog er dann den eingefangenen Blutpfropf mit dem Stent-Retriever vorsichtig unter leichtem Sog mittels Katheter ab. Innerhalb von gerade einmal 20 Minuten war das Gefäß seines Patienten wieder frei.

„Unter Anwendung von Stent-Retrievern der neueren Generation ist es die wirksamste Methode, um Arterien mechanisch von einem Blutpfropf zu befreien“, betont Prof. Hattingen. Wegen der winzigen Geräte und den kleinen Gefäßen sei viel Erfahrung notwendig, um den Stent-Retriever exakt zu platzieren ohne Hirngefäße zu verletzen. Es gibt erste Hinweise, dass diese neuartige Behandlungs-Methode gerade bei großen Gefäßen und großen Blutgerinnsel signifikante Vorteile bringen kann. Wichtig ist, dass diese Maßnahme möglichst in den ersten drei Stunden durchgeführt wird. Denn sind die Gehirnzellen einmal abgestorben, können sie sich nicht wieder regenerieren. So konnten in den letzten zwei Jahren rund 140 Patienten an der Neuroradiologie des Universitätsklinikums Bonn davon profitieren.

Schlaganfall - jede Minute zählt

Kay-Uwe H. ist dafür ein Paradebeispiel. Denn obwohl seine Arteria basilaris von einem großen Blutgerinnsel komplett verschlossen war und er dadurch bereits bewusstlos war, hat er keine bleibenden Schäden. „Es geht mir gut. Manchmal habe ich ein leichtes Kribbeln in den Armen und Beinen oder ein leichtes Schwindelgefühl. Aber so, dass ich damit gut leben kann.“ Er fühlte sich sehr gut aufgehoben im Bonner Universitätsklinikum. „Es war entscheidend, das verstopfte Gefäß möglichst rasch wieder freizubekommen“, sagt Prof. Hattingen Gleich nach der vierwöchigen Reha kehrte Kay-Uwe H. sofort wieder in sein Berufsleben zurück. Aber für den 55-Jährigen war der Infarkt im Hirnstamm auch ein Warnschuss: „Ich esse jetzt so viel Obst und Gemüse wie noch nie in meinem ganzen Leben.“

Kontakt für die Medien:

Prof. Dr. Elke Hattingen
Leiterin der Neuroradiologie
Radiologische Klinik des Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-16507
E-Mail: elke.hattingen@ukb.uni-bonn.de





Bilder:
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Erfolgreiche Hilfe bei Schlaganfall:
Prof. Elke Hattingen erklärt ihrem Patienten Kay-Uwe H. > das Prinzip der > neuen Methode
© Rolf Müller / UK Bonn
https://cams.ukb.uni-bonn.de/presse/pm-279-2014/images/Thrombektomie_1.jpg
Erfolgreiche Hilfe bei Schlaganfall:
Prof. Elke Hattingen erklärt ihrem Patienten Kay-Uwe H. > das Prinzip der > neuen Methode
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https://cams.ukb.uni-bonn.de/presse/pm-279-2014/images/Thrombektomie_2.jpg
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