Mit Stromimpulsen gegen Migräne
Uni-Klinikum bietet neue Therapieoption bei chronischen Kopfschmerzen an




Starke, unerträgliche Kopfschmerzen und immer wiederkehrende Attacken beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen enorm. Für den Fall, dass Schmerzmittel und andere Therapien bei Migräne oder Clusterkopfschmerzen nicht mehr helfen, bietet das Universitätsklinikum Bonn den Betroffenen jetzt eine neue Option an: die Occipitalis-Nervenstimulation (ONS). Dazu implantieren Neurochirurgen ein System, das schwache Stromimpulse direkt an die unter der Nackenhaut liegenden Nerven sendet. Das reduziert die Schmerzintensität und die Anzahl der Attacken.


Migräne und Clusterkopfschmerzen sind bestimmte, in Attacken auftretende Kopfschmerzen, die mehrere Stunden oder auch Tage andauern können. Diese neurologischen Erkrankungen können sich im Laufe der Zeit chronifizieren, so dass auch medikamentöse und verhaltenstherapeutische Maßnahmen nicht mehr ausreichend helfen. „Die Schmerzen und die einhergehende psychische Belastung haben nicht nur einen massiven Einfluss auf die Betroffenen selbst, sondern auch auf deren soziales Umfeld“, sagt Dr. Thomas Kinfe, Leiter der Abteilung Funktionelle Neurochirurgie und Neuromodulation am Universitätsklinikum Bonn.

Neuerdings wenden die Neurochirurgen des Universitätsklinikums Bonn die periphere Nervenstimulation (PNS), ein erfolgreiches Verfahren unter anderem bei Rückenschmerzen, in Form der Occipitalis-Nervenstimulation (ONS) auch bei Kopfschmerzen an. „Dünne Drähte leiten elektrische Impulse an die Nerven des Hinterkopfes, die Occipitalnerven“, erklärt Oberarzt Kinfe. „Die Nerven leiten die elektrischen Signale weiter an das Gehirn. Dies führt zu einer Schmerz- und Attackenreduktion.“

Angenehmes Kribbeln statt Schmerzen

Die Bonner Neurochirurgen implantieren dazu dem Patienten einen Schrittmacher meist im Bauchraum unter die Haut. Die darin enthaltende Batterie versorgt dann über dünne Drähte die Occipitalnerven bis zu mehrere Jahre lang mit elektrischen Impulsen. „Statt des Schmerzes fühlen unsere Patienten ein angenehmes Kribbeln am Hinterkopf“, sagt Neurochirurg Kinfe. Der Vorteil sei, dass, anders als bei Medikamenten, die periphere Nervenstimulation keine bekannten Nebenwirkungen aufweise. „Komplett schmerzfrei werden die Betroffenen zwar nicht, aber wir können so die Schmerzen und deren Häufigkeit stark reduzieren und die Lebensqualität deutlich steigern.“

Nicht für jeden Patienten ist die periphere Nervenstimulation (PNS/ONS) geeignet. Vor diesem Hintergrund wird dieses Verfahren an spezialisierten Zentren wie dem Bonner Universitätsklinikum angeboten.

Die Bonner Neurochirurgische Universitätsklinik bietet eine Spezialsprechstunde für Kopfschmerz-Patienten an, um dort abzuklären, ob die Occipitalis-Nervenstimulation (ONS) eine mögliche Option ist. Eine Terminvereinbarung ist unter der Telefonnummer 0228/287-16508 möglich.

Kontakt:
Dr. Thomas M. Kinfe
Leiter Funktionelle Neurochirurgie und Neuromodulation
Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-13812
E-Mail: Thomas.Kinfe@ukb.uni-bonn.de