Legionellen: Lebensgefährliche Infektion ist vermeidbar
Memorandum anlässlich einer Legionellen-Erkrankungswelle in Ulm




Anfang des Jahres ereignete sich in Ulm die bislang deutschlandweit größte Erkrankungswelle mit Legionellen, ausgelöst durch ein Nass-Rückkühlwerk einer Groß-Klimaanlage. 65 Menschen erkrankten schwer und fünf der Betroffenen starben. Anlässlich dieses Vorfalls haben Hygieniker des Universitätsklinikums Bonn zusammen mit Kollegen ein Memorandum verfasst, das in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Umweltmedizin in Forschung und Praxis“ erscheint. Sie fordern von der Politik stringente Maßregeln zur Prävention dieser lebensbedrohlichen Infektionskrankheit, die nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Einfache technische Maßnahmen würden daher ausreichen, um eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern.


Anders als andere europäische Länder folgte Deutschland bisher nicht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der European Working Group for Legionella Infections (EWGLI). Es gibt also keine bundesweiten Maßnahmen zur Vermeidung von Legionellosen durch Rückkühlwerke. Doch die Verhütung von umweltbedingten Infektionskrankheiten gehöre zu den klassischen Verpflichtungen des Staates gegenüber der Bevölkerung, betonen die Verfasser des Memorandums. „Dies ist umso bedeutsamer, als die Legionellose grundsätzlich eine verhütbare Infektion ist. Todesfälle wie jetzt in Ulm hätten nicht auftreten müssen, wenn es eine adäquate Regulierung zur Kontrolle von offenen Rückkühlwerken in Deutschland gäbe“, betont Professor Dr. Martin Exner. Der Wissenschaftler ist Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn, das sich bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Maßnahmen gegen legionellenbedingte Erkrankungen beschäftigt.

Die Ereignisse wie in Ulm können sich jederzeit auch in anderen Regionen Deutschlands wiederholen. Zu den häufigsten Infektionsquellen zählen Trinkwasser-Installationen in größeren Gebäuden, Rückkühlwerke von Groß-Klimaanlagen, industrielle Luftwäscher oder Hot-Whirl-Pools. Dort finden die gefährlichen Bakterien optimale Wachstumsbedingungen. Am wohlsten fühlen sie sich zwischen 25 und 45° C. In schlecht gewarteten Anlagen können sich die Legionellen explosionsartig vermehren. Über kleine Wassertröpfchen, so genannte Aerosole, gelangen sie dann in die Luft und können eingeatmet eine Erkrankung der Atemwege bis hin zu einer schweren, lebensgefährlichen Lungenentzündung auslösen. Diese Legionellose, im Volksmund auch „Legionärskrankheit“ genannt, ist weder durch eine Impfung vermeidbar noch aufgrund der schwierigen Diagnostik durch Antibiotika hinreichend sicher therapierbar.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Martin Exner
Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-15520
E-Mail: martin.exner@ukb.uni-bonn.de