Papierfreies Krankenhaus
EDV unterstützt die Arbeit der Bonner Uni-Klinik




Serie: IT-Lösungen an der Bonner Uni-Klinik (2)


Die Informationstechnik (IT) ist heutzutage aus dem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken – vom Klinischen Arbeitsplatzsystem (KAS) bis hin zur elektronischen Gesundheitskarte der Zukunft. Bereits heute gibt es auf dem Venusberg innovative IT-Instrumente, die stärker am Patienten orientierte Abläufe ermöglichen. In einer Miniserie stellen wir drei Modell-Projekte vor:


Mobile Laptops und fest installierte Rechner machen es möglich: Die erste Station am Bonner Universitätsklinikum arbeitet komplett papierfrei. Statt der üblichen Ordner gibt es eine elektronische Patientenakte. Vom Laborwert bis zur Anordnung von Medikamenten sind wichtige Informationen jederzeit passwortgeschützt im PC abrufbar. Gerade im Nachtdienst, wenn schnelle Entscheidungen erforderlich sind, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Durch die positive Bilanz des Projektes nach einem Jahr werden demnächst weitere Abteilungen folgen und auch „papierfrei“ werden.

Als gelernte Krankenschwester leitet Nadia Storm die Station „Balint“ der Bonner Universitätsklinik für Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Eigentlich wollte sie nur die Planung der pflegerischen Maßnahmen verbessern. An die komplette Umstellung von Papier auf elektronische Daten hatte sie zunächst nicht gedacht. „Wir machen jetzt Nägel mit Köpfen: Ihre Station wird papierfrei“ mit diesen Worten schlug ihr Silja Tuschy vom Prozessmanagement (Unternehmensentwicklung) das neue Projekt vor. Die grundlegenden Weichen dafür waren mit dem 2004 eingeführten ‚Klinischen Arbeitsplatzsystem’, das die Bonner Universitätskliniken übergreifend vernetzt, bereits gestellt.

Im gemeinsamen Dialog der unterschiedlichen Berufsgruppen wurden von Klinik, Prozessmanagement und IT-Abteilung geeignete Module für den PC entwickelt, überprüft und verbessert. „Wir haben jeden kleinen Baustein, sobald er funktionierte, direkt freigegeben und das Team im Umgang damit geschult. Auf diese Weise konnten wir Berührungsängste optimal abbauen“. Nadia Storm sieht heute noch deutlicher als zu Beginn, wie groß die Vorteile dieser schrittweisen Umstellung sind. Gerade das ältere Pflegepersonal fühlt sich dadurch nicht überfordert. „Viele von uns trauen sich jetzt auch zu Hause an den Computer“.

Elektronische Patientenakte erleichtert die tägliche Arbeit

Über das elektronische Arbeitsplatzsystem können sich Ärzte, Pflegende und Therapeuten der Psychosomatischen Klinik passwortgeschützt ins Netz einloggen. Damit sich alle schnell zurechtfinden, ist die neue, elektronische Akte ihrer Patienten sehr einfach aufgebaut. Durch blinkende Farbfelder lässt sich auf einen Blick erkennen, wo dringend etwas geklärt werden muss. Über eine zentrale Suchfunktion kann sich jeder gezielt über das informieren, was für ihn wichtig ist. „Früher mussten wir die ganze Akte durchblättern. Heute geben wir nur noch ein Stichwort zur Suche ein. Das spart enorm viel Zeit und ist übersichtlicher“, so die einhellige Meinung des pflegerischen und ärztlichen Teams.

Ob Aufnahme eines Patienten, Teambesprechung oder therapeutische Einzelsitzungen: Das neue System fordert von allen Berufsgruppen eine sorgfältige, bewusste Dokumentation ihrer täglichen Arbeit. Aber was sich wie Mehrarbeit anhört, ist in der Praxis eine große Erleichterung. Denn elektronische Formulare machen das Erfassen von Daten effektiver. Das vermeidet unnötige Schreibarbeit, die früher bei jedem Patienten wiederholt werden musste.

Elektronische Vernetzung unterstützt die Therapie

Das behandelnde Team ist auf die direkte Weitergabe von Informationen angewiesen. Als es noch die Papierakte gab, war das nicht immer der Fall. „Früher gab es nur die eine Patientenkurve, um die sich alle gebalgt haben. Heute hat jeder von seinem Platz aus Zugriff und kann genau sehen, was aktuell los ist“, beschreibt Nadia Storm den Vorteil des neuen Systems. Aus Gründen des Datenschutzes sind die hochsensiblen Informationen gerade im WLAN-Bereich durch spezielle Sicherungssysteme vor dem ungewollten Zugriff von außen wirkungsvoll geschützt. Die Bilanz des Projektes ist positiv, denn die tägliche Arbeit wird durch die elektronische Vernetzung der Station unterstützt. Die besondere therapeutische Leistung der psychosomatischen Klinik bleibt aber so, wie es die Patienten bisher gewohnt sind. „Unsere Arbeit lebt vom Gespräch und vom intensiven Kontakt mit jedem Patienten. Das wird sich nicht ändern!“ betont die zuständige Oberärztin Katrin Imbierowicz.

Das Bild zu dieser Pressemitteilung gibt es im Internet unter http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/224-2009.

Kontakt für die Medien:
Silja Tuschy
Prozessmanagement
Unternehmensentwicklung am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-11439
E-mail: Silja.Tuschy@ukb.uni-bonn.de