Geschichte der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Bonn



Professor Alfred Kantorowicz gründete 1920 aus einem zuvor privaten zahnärztlichen Institut die Kieferorthopädische Abteilung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Wie zuvor bereits an den Universitäten von Berlin und Leipzig wurde auch in Bonn wenige Jahre später die Orthodontie als Lehr– und Prüfungsfach in die Zahnheilkunde eingeführt. 1927 gelang es Kantorowicz weltweit erstmalig, die Kieferorthopädie in die Schulzahnklinik zu integrieren und so durch Öffnung des Fachs für breitere Bevölkerungsgruppen die Zahl der Behandlungsfälle zu erhöhen.

Leiter der Abteilung wurde 1927 Gustav Korkhaus, der zusammen mit Kantorowicz eine intensive Forschungs- und Lehrtätigkeit begann. Namhafte Kieferorthopäden aus ganz Europa, wie A.M. Schwarz aus Wien und V. Andresen aus Oslo, trafen sich regelmäßig in Bonn. Wegen ungünstiger räumlicher Verhältnisse drohte 1935 dem damaligen Klinikdirektor Professor Edwin Hauberrisser die Schließung der Klinik, die jedoch dank der wissenschaftlichen Leistungen und dem hohen internationalen Ansehen von Gustav Korkhaus verhindert werden konnte. Am 18. Oktober 1944 wurde die Zahnklinik bei einem Luftangriff völlig zerstört. Erst am 1. November 1946 konnte unter der Leitung von Gustav Korkhaus eine provisorische Universitätszahnklinik wiedereröffnet werden, nachdem zuvor der im Exil lebende Professor Alfred Kantorowicz den Ruf, erneut als Klinikdirektor in Bonn tätig zu werden, abgelehnt hatte.

Die in den darauf folgenden Jahren steigenden Patienten- und Studentenzahlen bedingten 1956 einen Neubau der Zahnklinik, die 1958 bezogen werden konnte. Nach der Emeritierung von Professor Korkhaus im Jahr 1963, folgte im Jahr 1967 die Berufung von Professor Gottfried P.F. Schmuth auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Kieferorthopädie der Universität Bonn. Professor Schmuth zeichnete sich durch umfangreiche Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Funktionskieferorthopädie, der herausnehmbaren kieferorthopädischen Apparaturen und der Kephalometrie aus.

Nach der Emeritierung von Prof. Schmuth im Jahre 1992 wurde Professor Dieter Drescher die Leitung der Poliklinik für Kieferorthopädie kommissarisch übertragen. In dieser Zeit wurde auch das Labor für Experimentelle Kieferorthopädie, das seit 1987 von Prof. Dr. Christoph Bourauel geleitet wird, aufgebaut.

1997 wurde Professor Dr. Andreas Jäger zum neuen Direktor der Poliklinik berufen. Unter seiner Leitung erfolgte der Aufbau eines Labors für oralbiologische Grundlagenforschung, welches wissenschaftlich aktuell von Prof. Dr. Werner Götz geleitet wird. Forschungsschwerpunkte der Klinik sind aktuell die Biologie des Parodontiums und der kieferorthopädischen Zahnbewegung. Darüber hinaus gehören aber auch weiterhin die Lehre sowie die Patientenversorgung mit sämtlichen modernen Therapieverfahren zu den heutigen Aufgabenbereichen.