Hilfe, wenn die Arbeit psychisch krank macht - neues stationäres Behandlungskonzept
Neues stationäres Behandlungskonzept bei Burnout-Syndrom am Uni-Klinikum Bonn


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Müde und antriebslos: Immer häufiger wird für Berufstätige der Druck an ihrem Arbeitsplatz zu groß. Sie fühlen sich erschöpft und ausgebrannt. Hilfe finden Betroffene am Universitätsklinikum Bonn. Dort bietet die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie jetzt eine spezielle stationäre Therapie bei psychischen Störungen an, die durch anhaltende Belastung im Beruf bedingt sind. Den ersten zehn Patienten konnte das Klinik-Team mit Hilfe des vielschichtigen Angebots erfolgreich einen gesunden Umgang mit den Belastungen in ihrem Job vermitteln. Dabei setzt es einen Schwerpunkt auf Arbeitsplatzanalyse und Verhaltenstherapie.


Hinter dem Mode-Begriff „Burnout“ verbirgt sich eine starke geistige, körperliche und seelische Erschöpfung meist aufgrund beruflicher Überlastung. „Dabei handelt es sich um einen schleichenden Prozess mit verschiedenen Phasen des ‚Ausbrennens’, der in einer psychischen Erkrankung wie einer stark ausgeprägten Depression oder einer Angststörung münden kann“, sagt Dr. Ingo Wegener, Leitender Psychologe für Verhaltenstherapie an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Genau an diesen Personenkreis mit beruflich bedingter Erschöpfung richtet sich das neue Angebot am Bonner Universitätsklinikum.

Oft trifft Burnout gerade Perfektionisten

Nicht jeder erkrankt durch eine zu hohe Belastung am Arbeitsplatz, sondern es müssen Aspekte wie ein zu hoher Selbstanspruch oder auch Konflikt fördernde Kommunikationsprobleme hinzukommen. Meist steckt eine lange Vorgeschichte dahinter. „Viele sind in ihrer Kindheit mit hohen Leistungserwartungen konfrontiert worden. Andere haben nie gelernt ‚nein’ zu sagen“, weiß Wegener. Gefährdet sind vor allem auch diejenigen, die ihr Selbstbewusstsein allein über den Erfolg im Job definieren.

Zudem gibt es keine Standardtherapie, sondern die Behandlung muss auf den Patienten und seine Lebenssituation maßgeschneidert sein. Dabei setzt die Bonner Universitäts-Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bei dem neuen Therapieangebot auf eine individuelle Analyse der Arbeitssituation sowie verschiedene psychodynamische und verhaltenstherapeutische Therapieelemente. Zudem geht es um die Entwicklung von Problemlösungsstrategien sowie Konflikt- und Stressmanagement. Dies alles wird in vier bis acht Wochen in Einzel- und Gruppenstunden beispielsweise mit Rollenspielen erarbeitet.

Stress im Beruf mit Gelassenheit begegnen

Am Universitätsklinikum Bonn lernen die Betroffenen unter anderem die eigene Abgrenzung zu stärken sowie mit achtsamkeitsbasierten Techniken eine verbesserte Selbstfürsorge und einen leichteren Umgang mit ihrer Arbeitsplatzsituation zu erreichen. „Da das Arbeitsumfeld nicht immer veränderbar ist, geht es in der Therapie auch um Akzeptanz und Gelassenheit. Wichtig dabei ist, die Umstände bewusst wahrzunehmen, ohne diese zu bewerten oder ändern zu wollen“, sagt Wegener.

Und das Konzept geht auf: Die ersten zehn Patienten fanden in einer Akutsituation Hilfe auf dem Venusberg und lernten dort einen gesunden Umgang mit den Belastungen an ihrem Arbeitsplatz. „Alle haben profitiert und gingen deutlich gestärkt in ihren Job zurück“, sagt Wegener. Doch müsse der Behandlungserfolg von jedem einzelnen selbst aufrechterhalten werden.

Interessierte Betroffene können sich für ein ambulantes Vorgespräch unter der Telefonnummer 0228/287–16299 anmelden. In diesem Gespräch wird die Notwendigkeit einer stationären Behandlung überprüft und gegebenenfalls eine Aufnahme in die Klinik eingeleitet. Für die stationäre Aufnahme wird dann nur eine Überweisung des Hausarztes benötigt.

Kontakt für die Medien:

Dr. Ingo Wegener
Leitender Psychologe für Verhaltenstherapie
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-16299
E-Mail: Ingo.Wegener@ukb.uni-bonn.de

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