Pflichtlehrveranstaltung: Grundlagen Klinischer Untersuchung (GKU)
Erwerb des Scheines: Grundlagen Klinischer Untersuchungen


1. Teil, Innere Medizin, 1. klinisches Semester



Umfang der Veranstaltung in SWS sowie Vor- und Nachbereitungsaufwand für die Studierenden:
3 Semesterwochenstunden Vor- und Nachbereitung: 6 Stunden/Semester
Lehrverantwortlicher: Prof. Brossart
Veranstaltungsform: Seminar/Praktikum

1. Ziele der Kenntnisvermittlung (Deklaratives Wissen):

Ziele:
Die Studierenden kennen die einzelnen Schritte einer vollständigen Anamnese und einer kompletten internistischen Untersuchung. Die Studierenden kennen wichtige Symptome und abnorme Befunde.
Sie können erste differenzialdiagnostische Überlegungen anstellen.
Der Kurs gliedert sich in ein Seminar zu Beginn (1h) mit anschließender praktischer Übung (2h). Diese soll zunächst den Schwerpunkt auf der Erhebung von Normalbefunden haben (Selbstuntersuchung) und anschließend am Krankenbett vertieft werden.
Patienten mit auffälligen Befunden werden nach Möglichkeit für den thematisch passenden Kurstag ausgesucht. Wenn ein Patient mit auffälligen Befunden eines bestimmten Organsystem an Kurstagen, die andere Organsysteme behandeln, gerade stationär ist, werden diese Befunde nach Möglichkeit trotzdem im Rahmen des Praktikums präsentiert (z.B. Ein Patient mit auffälligem Auskultationsbefund der Lunge kann auch während des Kurstages „Abdomen“, natürlich nicht schwerpunktmäßig, untersucht werden). Die Feinziele liegen in der Erarbeitung der einzelnen Abschnitte einer internistischen Anamnese und Untersuchung:
  • Anamnese
  • Hals und Kopf
  • Lunge/Thorax
  • Herz
  • Abdomen
  • Extremitäten/Lymphknoten

Im einzelnen werden folgende Themen in den jeweiligen Unterrichtsstunden vermittelt:
Anamnese: Es wird die Fähigkeit zur kompletten Anamneseerhebung vermittelt. Hierzu gehören die aktuelle Anamnese, die Eigenanamnese, vegetative Anamnese, Organanamnese, Sozialanamnese und die Medikamentenanamnese. Inhalt des Praktikums ist außerdem die korrekte Zusammenfassung der wichtigsten Symptome in einer Form, wie sie in der Kommunikation mit Kollegen sinnvoll ist. Zusätzlich wird die korrekte Interpretation der erfragten Symptome vermittelt, ein weiteres Ziel ist die Herleitung bestimmter Untersuchung aus den präsentierten Symptomen.
Kopf/Hals: Es wird die Untersuchung von Hals und Kopf nach dem Schema „Inspektion/Palpation/Perkussion/Auskultation“ gelehrt und im Anschluß zunächst in Form einer Selbstuntersuchung, danach am Patienten, geübt. Hier liegt der Schwerpunkt auf einer Untersuchung der Hirnnerven, des Oropharynx und des Halses inklusive der Lymphknoten, Schilddrüse und Pulse. Pathologische Befunde werden systematisch differentialdiagnostisch erörtert und in den Zusammenhang der zugrundeliegenden Erkrankung gestellt. Es wird vermittelt, welche weiteren diagnostischen Maßnahmen sinnvoll wären.
Lunge/Thorax: Hier liegt der Schwerpunkt auf der Untersuchung des Brustkorbes und der Lunge (gemäß Schema „Inspektion/Palpation/Perkussion/Auskultation“), wobei Befunde an anderen Organen, die auf eine Lungenerkrankung zurückzuführen sein können (z.B. Lippenzyanose, Trommelschlegelfinger), ebenfalls berücksichtigt werden. Pathologische Befunde werden systematisch differentialdiagnostisch erörtert und in den Zusammenhang der zugrundeliegenden Erkrankung gestellt. Es wird vermittelt, welche weiteren diagnostischen Maßnahmen sinnvoll wären.
Herz: An diesem Kurstag geht es ausschließlich um das Herz und das kardiovaskuläre System, gemäß oben genanntem Schema werden Befunde am Herzen und an den Pulsen erhoben. Abermals werden Befunde an anderen Organen, die auf eine kardiovaskuläre Erkrankung zurückzuführen sind, berücksichtigt. Pathologische Befunde werden systematisch differentialdiagnostisch erörtert und in den Zusammenhang der zugrundeliegenden Erkrankung gestellt. Es wird vermittelt, welche weiteren diagnostischen Maßnahmen sinnvoll wären.
Abdomen: Der Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung des Abdomens unter Einbeziehung von Befunden an anderen Lokalisationen (z.B. Sklerenikterus). Pathologische Befunde werden systematisch differentialdiagnostisch erörtert und in den Zusammenhang der zugrundeliegenden Erkrankung gestellt. Es wird vermittelt, welche weiteren diagnostischen Maßnahmen sinnvoll wären.
Extremitäten/Lymphknoten: Da der Schwerpunkt dieses Kurstages rasch abzuhandeln ist, dient er im Wesentlichen auch der Wiederholung und Zusammenfassung des zuvor Gelernten.

2. Ziele der Fähigkeits- und Fertigkeitsvermittlung (Prozedurales Wissen, Handlungskompetenz):

a) Was ist das methodisch didaktische Ziel der Lehrveranstaltung?
Die Studierenden können selbständig eine komplette Anamnese erheben, korrekt dokumentieren, interpretieren und adäquat zusammenfassen. Des Weiteren können sie eine vollständige internistische Untersuchung durchführen, dokumentieren, interpretieren, weitere Schritte veranlassen und adäquat zusammenfassen. Das Hauptziel liegt in der Kenntnis normaler Befunde und infolgedessen auch im Erkennen pathologischer Befunde. Zusätzlich erlernen die Studierenden eine erste Zuordnung der erhobenen Befunde zu Differenzialdiagnosen und erarbeiten erste Schritte zum weiteren Management.

b) wie werden die Ziele
aa) durch die angegebene Veranstaltungsform erreicht?
Wie oben angegebenen, wird zunächst in einem Seminar der theoretische Hintergrund vermittelt. Im Anschluß wird in der Selbstuntersuchung die Fähigkeit, Normalbefunde zu erheben, geübt. Dies wird am Patientenbett u.a. durch die Erhebung pathologischer Befunde vertieft. Am Patientenbett und gegebenenfalls in einer Abschlußrunde zum Ende des Praktikums werden die erhobenen Befunde unter Anleitung interpretiert und zugeordnet. Problemorientiertes Lernen ergibt sich aus dem praxisnahen Charakter des Unterrichts an einem individuellen Patienten in den meisten Fällen von selbst.

bb) durch die eingesetzten Medienformen erreicht?
In aller Regel werden im Seminarteil Medien (Beamer) eingesetzt, die den theoretischen Hintergrund einfacher vermittelbar machen. Im praktischen Teil sind Medien nicht mehr nötig, da die Inhalte mehr im Dialog vermittelt und vertieft werden.

cc) durch die Veranstaltungsstrukturierung erreicht?
Die Veranstaltungsstruktur ist oben eingehen dargestellt. Die Veranstaltung baut auf dem vorklinischen Kenntnisstand auf. Klinische Kenntnisse sind für diese Veranstaltung nicht notwendig. Naturgemäß liegen kleinere Überschneidungen mit den Untersuchungskursen der anderen Fächer vor, diese sind aber im Sinne einer Vertiefung des Inhaltes auch erwünscht.

3. Ziele der Haltungsvermittlung (Einstellungen)

Die Studierenden erleben in diesem Praktikum den Patientenkontakt das erste Mal in der Rolle als Arzt (der erste Patientenkontakt im Rahmen des Pflegepraktikums ist noch durch ein anderes Rollenverständnis geprägt). Hier kommt es auf eine höfliche, professionelle Umgangsform an, der eine respektvolle Grundhaltung dem Patienten gegenüber zugrunde liegt. Konkret beinhaltet das die Vorstellung mit Namen, die Bitte um Erlaubnis, eine Untersuchung durchführen zu dürfen und die Wahrung der Privatsphäre des Patienten sowohl während der Untersuchung selbst als auch in der folgenden Darstellung der Befunde. Zusätzlich wird eine professionelle Einstellung gegenüber den anderen Mitgliedern des Krankenhausteams vermittelt, die die Grundlage für eine spätere teamfähige Arbeitshaltung legen soll.