Alpha-Strahler greift gezielt Tumor an
Neue Therapie für Patienten mit Prostatakrebs, der in die Knochen gestreut hat




Sein Prostatakrebs ist fortgeschritten und Alexander Hagen* hat Tochtergeschwulste, so genannte Metastasen, in den Knochen. Keine der Standardverfahren helfen ihm mehr. Jetzt setzt er Hoffnung auf eine neue Therapie mit einem radioaktiven Alphastrahler. Nuklearmediziner am Universitätsklinikum Bonn bieten neuerdings und bisher als einzige in der Köln-Bonner Region das viel versprechende Medikament Radium-223-Chlorid an und Alexander Hagen ist ihr erster Patient. [*Name geändert]


Vor 15 Jahren wurde Alexander Hagen mit der Diagnose Prostatakrebs konfrontiert. Doch dem 81-Jährigen halfen verschiedene Therapien immer wieder nur sehr kurzfristig, so auch die Hormontherapie. Denn es haben sich Tumorzellen gebildet, die nicht mehr auf eine künstliche Absenkung der männlichen Hormone reagieren und sich trotzdem weiter vermehren. Es kann dann auch zu Absiedelungen in den Knochen kommen, wie bei Alexander Hagen. „Er gehört zu dem sehr engen Patienten-Kollektiv. Das Präparat Radium-223-Chlorid ist wirklich nur für diejenigen, die den Prostatakrebs schon lange haben und bei denen Chemotherapie und anti-Androgenika keinen Einfluss mehr auf Lebensqualität und das Überleben haben“, sagt Prof. Dr. Markus Essler, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Bonn.

Gezielter Angriff durch sehr kurze Reichweite

Schlüsselsubstanz der Therapie ist das Radium-223-Nuklid. Aufgrund seines ähnlichen Verhaltens wie Calcium lagert es sich bevorzugt im Knochen dort an, wo neue Knochenmasse entsteht – also in den Metastasen. Intravenös eingespritzt wandert der Alpha-Strahler in wenigen Minuten direkt dort hin und bestrahlt den Tumor hochenergetisch und effektiv. „Toll ist, dass die Strahlung nur eine sehr kurze Reichweite von höchstens 100 Mikrometern hat. Das Knochenmark und andere Organe sind also nicht betroffen und somit gibt es nur ganz milde Nebenwirkungen“, sagt Prof. Essler.

Zudem ist die Durchführung der Therapie ganz einfach und schmerzfrei. Das Präparat Radium-223-Chlorid wird sechsmal in einem Abstand von einem Monat in die Vene gespritzt. „Es war wie eine ganz normale Spritze“, sagt Alexander Hagen, der anschließend gleich mit dem Bus nach Hause fahren konnte.

Überleben signifikant verlängert

Durch die Knochenmetastasen lässt die Festigkeit der Knochen nach. Folge sind enorme Schmerzen und ein stark erhöhtes Risiko für Brüche. Auch leiden die Betroffenen oft unter einer Anämie. „Durch die Therapie bekommen unsere Patienten ein großes Stück ihrer Lebensqualität wieder“, sagt Prof. Essler. Zudem war laut der Alsympca-Studie das mittlere Gesamtüberleben der Teilnehmer deutlich länger als in der Vergleichsgruppe. Derzeit gibt es bereits 40 Anmeldungen am Standort Bonn des Centrums für integrierte Onkologie (CIO) auf dem Venusberg.

Alexander Hagen freute sich sehr, als das Präparat Radium-223-Chlorid Ende letzten Jahres die Zulassung für Deutschland bekam. Denn er erhofft sich von dem Alpha-Strahler, dass er wieder besser seinen sportlichen Aktivitäten nachgehen kann. Mindestens einmal pro Woche geht der 81-Jährige mit seiner Frau im Verein tanzen: „Für den Sommer haben wir bereits einen 20-tägigen Wanderurlaub auf einer griechischen Insel geplant.“

Kontakt für die Medien:
Prof. Dr. Markus Essler
Direktor der Klinik für Nuklearmedizin
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-15181
E-Mail: markus.essler@ukb.uni-bonn.de

Bilder:
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Gezielte Therapie mit Alphastrahler:
Prof. Markus Essler (li) erklärt seinem Patienten Alexander Hagen die Therapie.
© Katharina Wislsperger/UKB
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