Uni-Klinik: Moderne Vereisungstherapie bei Vorhofflimmern
Kälteballon hilft gegen Herzrasen






Vorhofflimmern: Das Herz schlägt nicht im richtigen Takt. Doch oft stabilisieren Medikamente den Herzrhythmus nur unbefriedigend. Neben der Verödung der Erregungszentren mittels Hitze bieten die Kardiologen am Universitätsklinikum Bonn seit kurzem eine weitere moderne Option, die so genannte Cryo-Ballon-Ablation, als erste Institution in der Köln/Bonner Region an. Dabei veröden sie Gewebe mittels Kälte und kappen so bestimmte Leitungsbahnen in der Vorhofmuskulatur des Herzens. Die Reizweiterleitung ist gestoppt.

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und betrifft rund eine Millionen Menschen in Deutschland. Aufgrund einer starken Altersabhängigkeit beträgt die Häufigkeit bei dem über 70-jährigen bereits fünf Prozent. Bei Vorhofflimmern kommt es in den Herzvorhöfen zu sehr raschen, unkoordinierten elektrischen Impulsen. Das Herz kommt aus seinem Takt. Symptome sind Herzrasen, Luftnot, Schmerzen, Übelkeit oder auch Schwindel. Vorhofflimmern birgt aber auch die Gefahr einer Herzschwäche und ein hohes Schlaganfall-Risiko.

Doch die medikamentöse Therapie unterdrückt Vorhofflimmer-Rückfälle bei einem Großteil der Patienten nur unvollständig oder gar nicht. „Weitere Nachteil gerade auch für jüngere Patienten ist die Notwendigkeit einer regelmäßigen Einnahme von Medikamenten über viele Jahre. Hinzu kommen Nebenwirkungen, sowohl von Seiten des Herzens als auch einer Vielzahl anderer Organsysteme, die im Extremfall sogar lebensbedrohlich sein können“, sagt Professor Dr. Lars M. Lickfett, Leitender Oberarzt der Elektrophysiologie an der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn.

Kälte verödet Gewebe schonender und dennoch hocheffektiv

Die Gewebsverödung in den Bereichen, die unerwünschte Impulse erzeugen, mit einem über die Leiste vorgebrachten Katheter hat die Behandlung von Vorhofflimmern revolutioniert. Bei dieser so genannten Ablation zerstört Hochfrequenzstrom mittels Hitze Gewebe und kappt so die betreffenden Leitungsbahnen in der Vorhofmuskulatur. Die Erregung kann nicht mehr an das Herz weitergeleitet werden. „Doch die Katheterablation ist als relativ langwieriger und komplexer Eingriff naturgemäß ebenfalls nicht frei von möglichen Komplikationen“, konstatiert Professor Lickfett.

Eine neuartige Methode – der Einsatz eines so genannten Cryo-Ballons zur Vereisung der Lungenveneneinmündungen in die linke Vorkammer des Herzens - beschleunigt die Ablation und ist nebenwirkungsärmer. Dabei wird der Cryo-Ballon über die Leiste in die Lungenvenen vorgebracht, mittels verdampfenden Lachgases entfaltet und gleichzeitig auf Temperaturen von unter -50 Grad Celsius herabgekühlt. An der Einmündung der Lungenvenen entsteht hierdurch eine kreisförmige Narbenzone, die eine elektrische Leitung der Impulse zwischen Lungenvene und Herzen verhindert. „Hierdurch kann ein Großteil der Patienten von Vorhofflimmern befreit werden“, sagt Professor Lickfett.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Lars M. Lickfett
Medizinische Klinik II des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-16670
E-Mail: lars.lickfett@ukb.uni-bonn.de