Raus aus dem Gefängnis negativer Gedanken
Neue Telefonsprechstunde für Menschen mit chronischer Depression




Anhaltende Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Antriebmangel können ein Hinweis auf eine chronische Depression sein. Doch die Schwelle, ärztlichen Rat zu suchen, ist für die Betroffenen meist sehr hoch. Daher hat die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn jetzt eine neue Telefonsprechstunde für chronisch depressive Menschen eingerichtet. Die 14-tägig stattfindende Sprechstunde ist anonym und für Betroffene gedacht, die sich schon seit längerer Zeit hilflos und depressiv erleben und daran etwas ändern wollen.


Wenn tägliche Pflichten über Wochen und Monate zu einer schier unüberwindlichen Hürde werden, kann die Ursache eine chronische Depression sein. Typisch sind auch die negativen und resignierenden Gedanken, durch die der Betroffene stets von neuem die eigene Hilflosigkeit und Ohnmacht erfährt. Allerdings ist die Depression immer noch ein Tabuthema, vor allem auch im Berufsleben. Denn der Betroffene gilt als weniger belastbar und auch weniger leistungsfähig. So wird die Krankheit häufig vertuscht.

„Doch wird die chronische Depression behandelt, bleibt der Betroffene langfristig arbeitsfähig. Die neue Telefonsprechstunde soll daher die Kontaktschwelle senken“, beschreibt Dr. Dieter Schoepf, Leitender Oberarzt an der Bonner Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, seine Motivation diese Spezialsprechstunde ins Leben zu rufen. Sie ist ein Angebot, sich anonym von Schoepf beraten zu lassen. Er klärt, ob eine chronische Depression vorliegt, und informiert über sinnvolle Therapiemöglichkeiten. Die Telefonsprechstunde findet 14-tägig montags von 14 bis 16 Uhr statt. Eine Anmeldung – auch ohne den Namen zu nennen – ist bei Verena Wassmuth unter der Telefonnummer 0228/287-15794 möglich. Oberarzt Schoepf ruft die Interessierten während der Sprechstunde in der Reihenfolge der Anmeldungen zurück.

Alternative zu Medikamenten gesucht

Das anonyme Angebot gilt gerade auch für chronisch depressive Menschen, die eine Alternative zur medikamentösen Behandlung suchen. So setzt das Universitätsklinikum Bonn beispielsweise die so genannte CBASP-Methode bereits seit 2006 erfolgreich ein. „Ansatzpunkt ist, dass die Betroffenen sich gar nicht bewusst sind, welche Wirkung ihr Verhalten auf ihr Gegenüber hat“, sagt Schoepf, Leiter des Kompetenzzentrums CBASP Bonn. Er war Schüler bei Professor James McCullough, dem Begründer des Verfahrens.

Bei dieser Therapieform meldet der Therapeut dem Patienten seine eigenen emotionalen Reaktionen auf dessen Verhalten zurück. Eine klare Differenzierung zu den Reaktionen der früheren Bezugspersonen in einer vergleichbaren Situation eröffnet dem Patienten eine Chance, Konsequenzen des eigenen Verhaltens zu erkennen und so wieder selbst bestimmt leben zu können. „Viele Patienten empfinden diese Behandlung, in der sie eine aktive Rolle spielen, als sehr wirksam“, sagt Schoepf.

Kontakt für die Medien:
Dr. Dieter Schoepf
Ltd. Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228-287-15794
E-Mail: dieter.schoepf@ukb.uni-bonn.de