„Hausgeburts-Atmosphäre in einer Klinik“
Ein Jahr Hebammenkreißsaal am Uni-Klinikum Bonn




Der neue Hebammenkreißsaal am Universitätsklinikum Bonn trifft auf gute Resonanz. Dieses für ein Universitätsklinikum in Deutschland bisher einmalige Angebot erweitert die weiterhin bestehenden geburtshilflichen Möglichkeiten der Klinik. Es richtet sich an gesunde Schwangere mit dem Wunsch nach einer natürlichen Geburt mit ausschließlicher Hebammenbegleitung. Das Hebammen-Team auf dem Venusberg begleitet diese Frauen durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Seit seiner Eröffnung vor gut einem Jahr haben - neben etwa 1.600 Geburten unter modernsten medizinischen Möglichkeiten - etwa 100 Frauen alternativ ihr Kind im Hebammenkreißsaal auf die Welt gebracht.


Viele Frauen haben den Wunsch nach einer natürlichen und selbst bestimmten Geburt mit möglichst wenig medizinisch-technischen Hilfen. Dieses Bedürfnis steht in einem von Hebammen geführten Kreißsaal im Vordergrund. Dabei verknüpft er in idealer Weise die ursprüngliche und individuelle Geburtsbegleitung allein durch eine Hebamme mit der Betreuungskontinuität und Sicherheit im Umfeld eines Universitätsklinikums. „Es ist eine sehr intensive Erfahrung für beide Seiten, die Geburt im eigenen Rhythmus und aus eigener Kraft zu erleben“, so Karin Ballat, leitende Hebamme der Klinik für Geburtshilfe und pränatale Medizin des Universitätsklinikums Bonn.

Interessiert sich eine Frau für eine Geburt im Hebammenkreißsaal, prüfen die Hebammen in Gesprächen und durch Untersuchungen, ob eine natürliche Geburt ohne Arzt für die Gebärende sinnvoll und möglich ist. Dazu gibt es einen gemeinsam von Hebammen und Ärzten am Universitätsklinikum Bonn entwickelten Kriterienkatalog. Sollten sich in der Schwangerschaft oder während der Geburt abweichende Situationen ergeben, kann die Hebamme rund um die Uhr einen ärztlichen Kollegen hinzuziehen. „Gerade an dieser entscheidenden Schnittstelle ist die Zusammenarbeit zwischen unseren Ärzten und Hebammen hervorragend“, sagt Professor Dr. Ulrich Gembruch, Direktor der Bonner Universitätsklinik für Geburtshilfe und Pränatale Medizin. Erste interne Untersuchungen bestätigen diesen positiven Eindruck. „So konnte unter anderem durch Betreuungskontinuität ein positives Geburtserleben und die Sicherheit für Mutter und Kind im Hebammenkreißsaal umgesetzt werden“, sagt Andreas Kocks, der das Projekt für die Pflegedirektion wissenschaftlich begleitet.

Zurück zum Ursprung des Berufs

Dies stellt hohe Anforderungen an die Hebammen, die dort selbständig und eigenverantwortlich arbeiten. Alle Hebammen am Universitätsklinikum Bonn nehmen daher den neuen Kreißsaal hoch motiviert als Wiederentdeckung ihrer ursprünglichen Tätigkeit wahr. Dafür wurden sie intensiv geschult. Neben dem direkten Austausch bei der täglichen Arbeit geben neuerdings auch kollegiale Fallbesprechungen einen Raum, sich bei Fragestellungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett gegenseitig zu beraten.

Es ist eine individuelle Begleitung bis zur Geburt sichergestellt, die es Schwangeren ermöglicht, im Hebammenkreißsaal die Geburtshilfe allein durch Hebammen in Anspruch zu nehmen. Auch nach der Geburt kann die Mutter auf die Nachsorge, Stillberatung oder Unterstützung bei der Rückbildung durch das vertraute Hebammenteam zählen. Dabei ist dieser neue Kreißsaal kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zu der bewährten und auch weiterhin angebotenen Geburtshilfe im Kreißsaal durch Ärzte und Hebammen. „Bleibt die Nachfrage konstant, wird der Hebammenkreißsaal weiter ausgebaut“, sagt Andreas Kocks.

Kontakt für die Medien:

Karin Ballat
Leitende Hebamme
Telefon: 0228/287-15436
E-Mail: Karin.ballat@ukb.uni-bonn.de

Andreas Kocks
Stabsmitarbeiter in der Pflegedirektion
Telefon: 0228/287-16671 (Mobil: 0151-58233412)
E-Mail: andreas.kocks@ukb.uni-bonn.de