Spezialistin für Patienten mit Demenz etabliert Gerontopsychiatrie am UKB
Anja Schneider etabliert die Gerontopsychiatrie am Uni-Klinikum Bonn


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Prof. Dr. Anja Schneider leitet die neue Abteilung für Gerontopsychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn. Sie hilft Menschen mit neurodegenerativen oder psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter – unter anderem aber auch jüngeren Patienten, die unter einer oft erst nicht erkannten Frontalhirn-Demenz leiden. Im Rahmen ihrer Professur für klinische Demenzforschung ist die 42-Jährige ebenfalls am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) tätig und setzt hier in Bonn ihre wissenschaftlichen Arbeiten rund um diese Leiden wie die Alzheimererkrankung fort. Wichtig dabei ist ihr die direkte Übertragung in die klinische Anwendung. Prof. Schneider war zuvor in Göttingen für das DZNE und die Universitätsmedizin tätig.


Für Prof. Schneider ist Gerontopsychiatrie nicht eine Frage der Alters: „Wir sollten es eher auf die Krankheiten bezogen sehen, beispielsweise können eine Alzheimerdemenz oder Gedächtnisdefizite im Rahmen einer Parkinsonerkrankung auch im Alter unter 65 Jahren auftreten.“ Auf der anderen Seite kann eine Depression auch erst im höheren Lebensalter auftreten. Dabei ist eine gute Frühdiagnostik besonders wichtig, denn oft stehen körperliche Symptome und weniger psychische im Vordergrund, so dass eine Depression mitunter gar nicht erkannt wird. Zudem kommen oft noch Gedächtnisstörungen hinzu. Andererseits sind aber auch depressive Symptome im Frühstadium einer Demenz nicht selten. „Es ist daher mitunter schwierig – aber natürlich auch wichtig – beides zu trennen“, sagt Prof. Schneider.

Symptome lassen sich lindern

Depressive Symptome und weitere Begleitumstände einer Demenz, wie Reizbarkeit oder Schlafstörungen, sind beispielsweise gut medikamentös behandelbar. So eine symptombezogene Therapie ermöglicht es oft, dass die Betroffenen weiter zuhause wohnen und betreut werden können. Eine Therapie, welche gegen die Ursachen einer Demenzerkrankung wirkt und so den Krankheitsprozess selbst aufhalten könnte, gibt es hingegen noch nicht. „Wir sind stark in der Forschung und können Patienten anbieten, an vorderster Front an neuesten Entwicklungen teilzuhaben“, betont Prof. Schneider.

Wenn plötzlich sich das Verhalten ändert

Ein besonderes Augenmerk legt Prof. Schneider auf die Frontalhirn-Demenz, auch Frontotemporale Demenz (FTD) genannt, die meist bei Menschen unter 65 Jahren beginnt. Betroffene verändern ihr Sozialverhalten. Sie verlieren ihre Empathie, werden impulsiv oder aggressiv, mitunter aber auch besonders apathisch. „Sie legen ein extremes Verhalten an den Tag und manche werden sogar kriminell“, sagt Prof. Schneider. Meist wird die Frontalhirn-Demenz nicht oder erst spät erkannt. Mehr als jeder Zweite wird zunächst unter dem Verdacht einer anderen psychiatrischen Diagnose behandelt, zumal die Patienten jünger sind und auch anfangs keine Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen zeigen. „Eine Fehldiagnose, die auch die Angehörigen massiv belastet. Denn keiner versteht das inadäquate Verhalten“, konstatiert Prof. Schneider. Zwar lassen sich einzelne Symptome der Frontalhirn-Demenz behandeln, doch gibt es auch hier noch keine Therapie gegen die Ursachen der Erkrankung.

Denn bisher ist viel zu wenig über diese degenerative Erkrankung bekannt, die nicht selten familiär gehäuft vorkommt. Hier setzt eine großangelegte DZNE-Beobachtungs-Studie unter der Leitung von Prof. Schneider an. Patienten, die wegen einer Frontalhirn-Demenz oder Primär Progressiven Aphasie behandelt werden oder Verwandte eines Patienten mit bekannter Genmutation, sind eingeladen, daran teilzunehmen. Denn je mehr Informationen die Forscher sammeln, desto besser können sie auch der Krankheit auf den Grund gehen und bessere Methoden zur Diagnose und Therapie entwickeln.

Schlüssel zu neuen Therapien finden

Auch in ihren anderen Forschungsarbeiten möchte Prof. Schneider neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer besser verstehen. Dabei geht sie beispielweise den Ursachen nach, die bestimmte Eiweiße im Gehirn verklumpen lassen, und den Mechanismen, die zu einem Fortschreiten der Erkrankung führen. Ein Ziel ist es, Indikatoren – so genannte Biomarker – zu entwickeln, die entweder ermöglichen, die Erkrankung zu diagnostizieren, oder Aussagen über den Krankheitsverlauf und Heilungschancen zulassen. Besonders am Herzen liegt ihr dabei, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung zu bringen und umgekehrt wissenschaftliche Fragestellungen aus der klinischen Forschung abzuleiten.

Für Interessierte gibt es hier mehr Informationen zur Klinischen Registerstudie Frontotemporale Demenz (DESCRIBE FTD):
http://www.dzne.de/fileadmin/user_upload/editors/documents/Klinische_Forschung/Flyer/Flyer_DZNE_KlinischeForschung_FTD.pdf

Kontakt für die Medien:
Prof. Dr. Anja Schneider
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Bonn
und
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen Bonn
Telefon: 0228/287-15715
E-Mail: Anja.Schneider@ukbonn.de

Bilder:
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Spezialistin für Patienten mit Demenz
Anja Schneider etabliert die Gerontopsychiatrie am Uni-Klinikum Bonn,
© Katharina Wislsperger / UK Bonn
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