Seelsorger für muslimische Patienten
Neben der christlichen Krankenhausseelsorge gibt es am Uni-Klinikum Bonn nun auch einen islamischen Beistand




Neben der christlichen Krankenhausseelsorge mit katholischen und evangelischen Geistlichen gibt es am Universitätsklinikum Bonn auf dem Venusberg nun auch einen islamischen Beistand, der sich um die Nöte und Ängste von Angehörigen und Patienten kümmert. Das Klinikum möchte damit einen wichtigen Beitrag für die Versorgung von Patienten muslimischen Glaubens leisten.


Elf Monate hat Tayfun Tilkicik am Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog eine Ausbildung absolviert und diese im November vergangenen Jahres als ehrenamtlicher islamischer Seelsorger mit Zusatzausbildung zur islamischen Krankenhausseelsorge abgeschlossen. Der 25-jährige arbeitet bereits seit 2012 am Universitätsklinikum in Bonn, bisher hauptberuflich als Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Intensivstation der Neurochirurgie. In der Gesundheits- und Krankenpflege ist er bereits seit 2008 tätig. Tilkicik ist mit den Abläufen eines Krankenhauses vertraut und kennt die Bedürfnisse und Probleme der Patienten und ihrer Angehörigen.

Bei der Arbeit wuchs der Wunsch, den Schwerkranken auch mental Unterstützung bieten zu können. „Für mich ist ein ganzheitlicher Ansatz bei der Versorgung eines Menschen von zentraler Bedeutung“, erklärt Tilkicik. Er ist selbst muslimisch (sunnitisch) aufgewachsen und hat sich bereits früh in der islamischen Jugendarbeit engagiert. An der Klinik fiel ihm schnell der wachsende Bedarf geistlicher Begleitung auf. „Viele religiöse Bedürfnisse wurden früher privat abgedeckt. Doch auch die islamischen Familien werden immer kleiner und die Berufseinbindung immer stärker, wodurch die Zeit für Fürsorge und seelische Pflege von Seiten der Familie tendenziell weniger wird. Zudem reisen viele Patienten von außerhalb an und haben keine Familie in der Nähe. Die Patienten können sehr darunter leiden. Ich versuche, diese Lücke ein Stück weit zu schließen und Beistand zu leisten“, so Tilkicik. Dafür opfert der Krankenpfleger einen Großteil seiner Freizeit, denn die Seelsorge ist ein Ehrenamt neben dem Beruf.

„Die größte religiöse Gruppe nach den Christen bilden sowohl bei den Patienten als auch bei den Mitarbeitern die Muslime. Von daher wurde es höchste Zeit, neben dem christlichen auch islamischen Beistand anbieten zu können“, betont Prof. Wolfgang Holzgreve, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. „Für den kommenden Ramadan planen wir auch einen gemeinsamen Abend des Fastenbrechens für Mitarbeiter und Interessierte.“

Seit August 2014 ist Tilkicik nun am Klinikum als Beistand tätig und zieht nach der ersten Testphase eine positive Bilanz. „Die Nachfrage wächst und die Reaktionen sind bisher durchweg positiv“, bestätig Alexander Pröbstl, Vorstand für Pflege und Patientenservice. „Langfristig wollen wir deshalb zusätzlich eine muslimische Seelsorgerin für die Arbeit am Haus gewinnen und einen kleinen Gebetsraum einrichten.“ Zu der Arbeit von Tilkicik gehört neben dem gemeinsamen Gebet auch und vor allem das Gespräch mit Patienten und Angehörigen. Kommunikation ist ein wichtiger Faktor und kann sich in emotionalen Situationen beruhigend auf die Betroffenen auswirken. Systemische Gesprächsführung und Seelsorgegespräche waren ebenso Inhalt seiner Ausbildung wie auch die Besonderheiten bei der Pflege muslimischer Patienten und die Krankenhausseelsorge in islamischer und christlicher Tradition.

Tilkicik steht auch nach seiner Ausbildung in engem Austausch mit dem Mannheimer Institut. Zudem wird er von den umliegenden islamischen Gemeinden unterstützt, falls er selbst einem Patienten nicht helfen kann oder aus zeitlichen Gründen nicht zur Verfügung steht. Auch der Austausch mit den christlichen Krankenhausseelsorgern ist gut, enge Zusammenarbeit von beiden Seiten gewünscht. Im vergangenen Jahr wurde bereits gemeinsam ein Gedenkgottesdienst für die am Klinikum verstorbenen Kinder veranstaltet. Auch für dieses Jahr ist wieder ein interreligiöser Gottesdienst geplant.

Kontakt:
Magdalena Nitz
Unternehmenskommunikation & Medien
Telefon: 0228/287-13457
E-Mail: magdalena.nitz@ukb.uni-bonn.de