Pflichtlehrveranstaltung 3. klinisches Semester
Erwerb des Scheines: Blockpraktikum Innere Medizin


Umfang der Veranstaltung in SWS sowie Vor- und Nachbereitungsaufwand für die Studierenden:


Über 3 Wochen je 12 Semesterwochenstunden, Vor- und Nachbereitung: 24 Stunden/Semester

Lehrverantwortlicher: Prof. Brossart

Veranstaltungsform: Praktikum und Seminar

1. Ziele der Kenntnisvermittlung (Deklaratives Wissen):

Die Studierenden kennen die wesentlichen internistischen Leitsymptome und können sie differenzialdiagnostisch zuordnen. Sie sind in der Lage, wesentliche pathologische Befunde der Anamnese, der körperlichen Untersuchung, der labormedizinischen Untersuchungen und der apparativen Diagnostik zu erkennen und zuzuordnen. Erste Grundlagen zum differenzialtherapeutischen Management internistischer Erkrankungen werden vermittelt.
Der Kurs gliedert sich in einen praktischen Teil zu Beginn (2h) mit anschließendem Seminar (1h). Die Studierenden sind einzelnen Stationen zugeteilt, die wesentlich verantwortlich sind für die Durchführung des Kurses.
Auf freiwilliger Basis kann die Mitarbeit bei der Stationsarbeit ausgedehnt werden z.B. in Form von Blutabnehmen und Braunülen legen morgens vor Beginn des Kurses.
Am ersten Kurstag wird den Studierenden in einer kurzen Einführung das Ziel des Praktikums dargelegt, sie erhalten außerdem ein Willkommensschreiben mit Zeitplan für das Curriculum des Praktikums.
Neben der Erarbeitung der wichtigsten internistischen Krankheitsbilder anhand von Leitsymptomen steht die Vermittlung differenzialdiagnostischer und differenzialtherapeutischer Inhalte im Vordergrund.
Zu diesem Zweck erhalten die Studierenden bestimmte Aufgaben, die sie zunächst selbständig erarbeiten müssen und dann mit den Dozenten diskutieren (siehe beigefügtes Schreiben an die Studierenden und Curriculum).

Die Feinziele liegen in der Erarbeitung internistischer Krankheitsbilder und des Managements derselben und gliedern sich wie folgt:
  • Differenzialdiagnose
  • Differenzialtherapie
  • Management von Nebenwirkungen/Interaktionen
  • Epikrise und Erstellung eines Therapieplanes für die ambulante Betreuung.
  • Leitsymptom Atemnot
  • Leitsymptom Fieber
  • Leitsymptom Nierenversagen
  • Leitsymptom Lymphknotenvergößerung
  • Leitsymptom Herzinsuffizienz
  • Leitsymptom Anämie
  • Leitsymptom Leukozytose
  • Leitsymptom Abdominalschmerz
  • Leitsymptom Thoraxschmerz
  • EKG
  • Lungenfunktion
  • Röntgen Thorax
  • Ultraschall
  • Mikroskopie

Im einzelnen werden folgende Themen in den jeweiligen Unterrichtsstunden vermittelt:
Differenzialdiagnose: Bei dieser Kurseinheit geht es vor allem um die Diagnosefindung. Anhand eines konkreten Patienten sollen folgende Fragen beantwortet werden: Was führt den Patienten zum Arzt, wie lange bestehen die Beschwerden, was sind die Begleitsymptome, was für Befunde erheben Sie in der körperlichen Untersuchung? Welche Untersuchungen sollten veranlasst werden und warum? Welche Untersuchungen sind von den Stationsärzten bereits veranlasst worden? Was sind die Ergebnisse? Zu welcher Diagnose kommen Sie? Was könnten Differentialdiagnosen sein? Welches ist die wahrscheinlichste Differentialdiagnose? Was spricht gegen die Differentialdiagnosen?
Differenzialtherapie: Bei dieser Kurseinheit geht es schwerpunktmäßig um die Behandlung. Im Einzelnen sollen folgende Fragen anhand eines konkreten Patienten beantwortet werden: Welches ist die Standardtherapie für diese Erkrankung? Worauf muß man bei dieser Therapie besonders achten? Kann die Therapie bei diesem Patienten appliziert werden? Wenn nein, warum nicht? Welche Begleiterkrankungen spielen eine Rolle? Liegen sie bei diesem Patienten vor? Welche Therapien könnten alternativ in Frage kommen? Warum hat man sich für eine bestimmte Therapie entschieden? Worauf muß im Verlauf der Behandlung geachtet werden, welche regelmäßigen Untersuchungen müssen vorgenommen werden?
Nebenwirkungen und Interaktionen: Die 3. Kurseinheit beschäftigt sich vor allem mit der aktuellen Medikation des Patienten. Abermals am Beispiel eines konkreten Patienten sollen folgende fragen bearbeitet werden: welche Medikamente bekommt der Patient? Was sind die Wirkstoffe? Sind die Dosierungen hoch oder niedrig? Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten? Was machen Sie bei Nebenwirkungen? Welche Interaktionen gibt es? Wenn man sich für einen bestimmten Wirkstoff aus einer Gruppe entschieden hat – warum? (z.B. Antihypertensiva: lieber ACE-Hemmer oder Diuretika oder Calcium-Antagonist?
Epikrise: Die Epikrise soll im Laufe des Kurses angefertigt werden. Sie beinhaltet eine gründliche Anamnestizierung und Untersuchung eines individuellen Patienten und gipfelt in dem Verfassen eines Briefes an einen Hausarztes. Hier werden Diagnose und Verlauf der Erkrankung erläutert, die Therapieentscheidung begründet und der Verlauf des stationären Aufenthaltes geschildert. Außerdem beinhaltet der Brief Hinweise für die poststationäre Behandlung und beantwortet detailliert folgende Fragen: Welche Medikamente muß der Patient nehmen? Worauf muß der Hausarzt achten, welche Laborkontrollen machen? Muß der Patient wiederkommen? Die Epikrise sollte am letzten Kurstag fertiggestellt werden und im letzten Seminar präsentiert werden.
Leitsymptom Atemnot: In diesem Seminar werden anhand des Leitsymptoms Atemnot zugrundeliegende internistische Erkrankungen des Respirationstraktes, des kariovaskulären Systems und wichtige Infektionserkrankungen erarbeitet. Wo möglich, geschieht dies an konkreten Patientenbeispielen, am Patientenbett und unter Zuhilfenahme von pathologischen Befunden aus der körperlichen Untersuchung, der labormedizinische und apparativen Diagnostik.
Leitsymptom Fieber: In diesem Seminar werden anhand des Leitsymptoms Fieber zugrundeliegende Infektionskrankheiten, Autoimmunerkrankungen, endokrinologische Störungen, maligne Erkrankungen und toxische Ursachen ermittelt. Wo möglich, geschieht dies an konkreten Patientenbeispielen, am Patientenbett und unter Zuhilfenahme von pathologischen Befunden aus der körperlichen Untersuchung, der labormedizinische und apparativen Diagnostik.
Leitsymptom Nierenversagen: Es wird analog zu Punkt 5 und 6 verfahren.
Leitsymptom Lymphknotenvergößerung: Es wird analog zu Punkt 5 und 6 verfahren.
Leitsymptom Herzinsuffizienz: Es wird analog zu Punkt 5 und 6 verfahren.
Leitsymptom Anämie: Es wird analog zu Punkt 5 und 6 verfahren.
Leitsymptom Leukozytose: Es wird analog zu Punkt 5 und 6 verfahren.
Leitsymptom Abdominalschmerz: Es wird analog zu Punkt 5 und 6 verfahren.
Leitsymptom Thoraxschmerz: Es wird analog zu Punkt 5 und 6 verfahren.
EKG: Anhand von praktischen Beispielen wird die Befundung eines EKG erarbeitet. Zunächst liegt der Schwerpunkt auf der Erhebung eines Normalbefundes mit allen Aspekten (Rhythmus, Lagetyp, Stromkurvenverlauf etc.), im Anschluß werden wichtige pathologische Befunde erläutert und interpretiert.
Lungenfunktion: Anhand von praktischen Beispielen werden die in einer Lungenfunktionsprüfung erhobenen Befunde erläutert und interpretiert. Abermals werden zunächst Normalbefunde besprochen und im Anschluß wichtige pathologische Befunde erläutert und interpretiert.
Röntgen Thorax: Die verschiedenen Aspekte in der Befundung eines Thoraxröntgenbildes werden in dieser Kurseinheit systematisch durchgenommen und erläutert. Normalbefund und wichtige pathologische Befunde werden interpretiert und zugeordnet.
Ultraschall: Wesentliche Ultraschallmethoden, die in der internistischen Praxis häufig zur Anwendung kommen, werden demonstriert und in Form einer Selbstuntersuchung geübt. Hierzu gehört insbesondere der Ultraschall des Halses, des Abdomens, des Herzens und der Gefäße. Zusätzlich zu Normalbefunden werden wichtige pathologische Befunde demonstriert und interpretiert.
Mikroskopie: Es werden Grundkenntnisse in der Erstellung mikroskopischer Differentialblutbilder vermittelt und anhand von verschiedenen Blutbildern praktisch geübt.

2. Ziele der Fähigkeits- und Fertigkeitsvermittlung (Prozedurales Wissen, Handlungskompetenz):

a) Was ist das methodisch didaktische Ziel der Lehrveranstaltung?
Die Studierenden erlernen die Grundlagen für das Management internistischer Patienten. Dies beinhaltet die Vertiefung der Anamnese- und Untersuchungsfähigkeiten ebenso wie differenzialdiagnostische und therapeutische Erwägungen. Sie erlernen die Interpretation wichtiger pathologischer Befunde der apparativen und laborchemischen Diagnostik. Praxisnah werden die Hintergründe zu den wichtigsten internistischen Krankheitsbildern vermittelt.

b) wie werden die Ziele
aa) durch die angegebene Veranstaltungsform erreicht?
Das Blockpraktikum ist naturgemäß stark durch problemorientiertes Lernen bestimmt. Durch die Verquickung von selbständigem Erarbeiten und Üben bzw. Diskutieren unter Anleitung erreichen die Studierenden eine Vertiefung des theroretischen Wissens ebenso wie der praktischen Fähigkeiten.

bb) durch die eingesetzten Medienformen erreicht?
In aller Regel werden im Seminarteil Medien (Beamer) eingesetzt, die den theoretischen Hintergrund einfacher vermittelbar machen. Im praktischen Teil sind Medien nicht nötig, da die Inhalte mehr im Dialog vermittelt und vertieft werden. Allerdings kommen alle verfügbaren Geräte wie EKG, Ultraschall etc. zum Einsatz.

cc) durch die Veranstaltungsstrukturierung erreicht?
Die Veranstaltungsstruktur ist oben eingehend dargestellt. Die Veranstaltung baut auf den Kenntnissen der ersten beiden klinischen Semester auf und setzt die Fertigkeiten der klinischen Untersuchung genauso voraus wie die ersten Kenntnisse der Pharmakologie, Pathologie/Pathophysiologie und Mikrobiologie. Detaillierte Kenntnisse der Inneren Medizin sind nicht Voraussetzung des Kurses. Überschneidungen ergeben sich naturgemäß inhaltlich zu verschiedenen Fächern und werden, wo möglich, auch zur Wissensvermittlung genutzt (z.B. indem radiologische Befunde eines Patienten besprochen werden).

3. Ziele der Haltungsvermittlung (Einstellungen)

Neben einer Vertiefung des professionellen Rollenverständnis und der Teamfähigkeit durch die Integration in den Krankenhausalltags geht es hier schwerpunktmäßig um die Vermittlung analytischen Denkens in der Behandlung internistischer Patienten. Es soll der Unterschied zwischen Befund und Diagnose erarbeitet werden, um eine differenzierte Diagnosestellung und nachfolgend differenzierte Therapie zu ermöglichen. Dies ist die Grundlage einer professionellen ärztlichen Berufsausübung. Zusätzlich liegt der Schwerpunkt auf der differenzierten und praxisnahen Kommunikation von Diagnosen, Verläufen und Therapieplänen.