Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz




Nach einer repräsentativen Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in 2010 haben insgesamt 58,2 Prozent aller befragten Frauen Situationen sexueller Belästigung erlebt, sei es in der Öffentlichkeit, im Kontext von Arbeit und Ausbildung oder im sozialen Nahraum. Nach aktuellem Kenntnisstand existiert eine ähnliche Befragung unter Männern bisher noch nicht.

Sexuelle Belästigung ist jedes sexuell bestimmte Verhalten, das unerwünscht ist und eine Person
in ihrer Würde verletzt - sexuelle Belästigung ist kein Flirt und kein harmloser Spaß!
Für die Betroffenen kann dies beleidigend, zutiefst entwürdigend und manchmal mit langfristigen Beschwerden verbunden sein wie Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit oder Depression. Nicht selten folgen Fehltage am Arbeitsplatz, weil eine Krankschreibung unumgänglich wird.
In der überwiegenden Zahl der Fälle erleben Frauen sexuelle Belästigung durch Männer. Aber auch Männer können von sexueller Belästigung betroffen sein.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz stellt am Universitätsklinikum Bonn ein dienstliches Fehlverhalten dar! Eine klare Haltung und ein rasches Angehen der Konfliktsituation ist ein grundlegendes Muss!
Der Schutz aller Beschäftigten wird durch die gezielten „Richtlinien zum Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz“ gewährt, die der Aufklärung und Regelung eines Beschwerdeverfahrens bei Verstößen dienen.
Bitte beachten Sie auch die entsprechenden Flyer „Grenzen setzen“.


Was können Sie tun, wenn Sie sich sexuell belästigt fühlen?
Wichtig ist, dass Sie Ihre Gefühle ernst nehmen und reagieren! Setzen Sie sofort und eindeutig Grenzen – möglicherweise „erkennt“ ja die belästigende Person die eigene Handlung gar nicht als solche. Zur Grenzsetzung haben Sie verschiedene Möglichkeiten:
  • Machen Sie deutlich, dass die von der belästigenden Person durchgeführten Handlungen oder Äußerungen unerwünscht sind, z.B. durch Gesten und vor allem auch entsprechende Äußerungen „Bitte lassen Sie das! Ich möchte nicht, dass Sie mich berühren!“
  • Notieren Sie sich die Vorfälle und möglichen Zeugen oder Zeuginnen.
  • Machen Sie bei Wiederholung die belästigende Person auf mögliche Konsequenzen aufmerksam.
  • Wenden Sie sich an eine Person Ihres Vertrauens und/oder an Ansprechpartner/innen im Universitätsklinikum.


Wenn Sie eine sexuelle Belästigung melden: Nichts geschieht ohne Ihr Einverständnis!
Alle Beteiligten unterliegen der Schweigepflicht! Der Kreis der Beteiligten wird bewusst klein gehalten, nur die unmittelbar betroffenen Personen sind beteiligt. Nur nach Absprache mit der belästigten Person werden weitere Schritte eingeleitet!

Von Belästigungen betroffene Personen tragen die Befürchtung, dass ihre Aussagen weniger Wert haben als die der beschuldigten Person!
Sie suchen in erster Linie Schutz und Hilfe, damit die Belästigungen aufhören und die belästigende Person belehrt wird!

Eine Beschwerde ist kein „Spaziergang“, deshalb sollte der beschwerdeführenden Person Glauben geschenkt werden, dass sie grundsätzlich die Wahrheit sagt.
Falschbezichtigungen wegen einer sexuellen Belästigung sind sehr selten!
Aber es liegt in der Natur der Sache, dass es nur selten Zeugen und Zeuginnen gibt. Und natürlich muss man auch dem „Täter oder Täterin“ die Möglichkeit geben, die eigene Sicht der Dinge darzulegen. Je früher Sie sich ihm bzw. ihr gegenüber eindeutig geäußert haben und sich bestimmte Handlungen oder „Scherze“ verbeten haben, um so weniger wird es glaubhaft sein, wenn er / sie später beteuert, man habe das ja alles „ganz anders verstanden“.


Ziel einer Aufklärung ist, dass
  • fortan entsprechende Äußerungen oder Handlungen unterlassen werden.
  • sich die beschuldigte Person bei der beschwerdeführenden Person möglichst schriftlich entschuldigt.
  • konkrete Maßnahmen festgelegt werden, die den Konflikt entschärfen und beilegen.
  • die beschwerdeführende Person über die Gespräche mit der beschuldigten Person informiert wird und sich mit den geplanten Maßnahmen einverstanden erklärt. Ansonsten müssten andere Maßnahmen ergriffen werden!
  • ein Dokument erstellt wird, in dem die zu ergreifenden Maßnahmen aufgezählt werden und in dem sich die beschuldigte Person verpflichtet, jedes sexuell belästigendes Verhalten einzustellen und keine Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen. Dieses Dokument ist von der beschuldigte Person und allen am Verfahren beteiligten Personen zu unterschreiben.

Grenzen setzen!
Sie haben das Recht, sich gegen sexuelle Belästigung zu wehren!

Als Gleichstellungsbeauftragte des Universitätsklinikums Bonn helfe ich Ihnen gerne weiter.

Ihre
Sabine Zander