Acranius-Acardius / parasitärer Zwilling / TRAP


Die schwerste Fehlbildung bei eineiigen Zwillingen mit einem gemeinsamen Mutterkuchen (monochorial) ist die so genannte „Twin Reversed Arterial Perfusion“ (TRAP)-Sequenz (auch Acranius Acardius oder parasitärer Zwilling genannt). In diesen Fällen kommt es in den ersten Wochen der Schwangerschaft zu einer Minderdurchblutung der oberen Körperhälfte eines der Zwillinge. In Folge dessen entwickelt sich die obere Körperhälfte nicht oder nur teilweise, so dass oftmals Kopf und Herz fehlen. Der parasitäre Zwilling wird durch Gefäßverbindungen im Mutterkuchen vom gesunden Zwilling mit Blut versorgt und kann durch Wassereinlagerungen eine erhebliche Größe und Gewicht erreichen (deutlich größer als der gesunde Zwilling). Dies bedeutet für den gesunden (vermehrt pumpenden) Zwilling eine mit fortschreitendem Schwangerschaftsalter immer größer werdende Herzbelastung, die unbehandelt zum Versterben führen kann. Außerdem führt die Herzbelastung zu einer deutlichen Zunahme der Fruchtwassermenge (Polyhydramnie), die mit vorzeitiger Wehentätigkeit, Blasensprung und einem hohen Risiko für eine Frühgeburt vergesellschaftet ist.


In diesen Fällen sollte die Nabelschnur des TRAP-Zwilling unterbunden werden. Dies erfolgt mit einer Laserfaser, die mit Hilfe einer Holnadel unter Ultraschallkontrolle in die Fruchthöhle und den Nabelschnuransatz eingebracht wird. Der Eingriff erfolgt in örtlicher Betäubung und dauert etwa 20 Minuten. Nach dem Eingriff folgt üblicherweise ein stationärer Aufenthalt von 2 Tagen.

Da ein Teil der Kinder keine Herzinsuffizienz entwickelt und sich ein weiterer Teil auch mit einer Gabe von Medikamenten (Herzglykosiden) über die Mutter stabilisiert werden können, sollte vor dem Eingriff eine Ultraschalluntersuchung durch einen mit dieser Erkrankung erfahrenen Arzt erfolgen und der Eingriff an einem entsprechenden Zentrum stattfinden. Mit insgesamt über 15 Eingriffen in den letzten Jahren zählt das Team der Universitätsfrauenklinik Bonn zu den erfahrensten in Deutschland. Gerne beraten wir Sie im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung über die Chancen und Risiken eines solchen Eingriffes in Ihrem persönlichen Fall.




Unsere Erfahrungen mit dieser Technik haben wir in folgendem Artikel zusammengefasst:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/uog.12578/abstract;jsessionid=3D7252B10385D375259A948AD4CD7A39.f04t03