Neues Hepatitis C-verwandtes Rindervirus entdeckt
Team unter Federführung der Universität Bonn findet Erreger in Ghana




Forscher der Uni Bonn haben zusammen mit Kollegen aus Hamburg, Hannover, Moskau und Ghana neuartige Rinderviren entdeckt. Die Erreger sind entfernte Verwandte des Hepatitis C-Virus. Dieses kann beim Menschen eine gefährliche Leberentzündung auslösen. Die Viren wurden in Rindern aus Ghana gefunden. Ob sie ebenfalls den Menschen infizieren können, ist noch unklar. Ihre Entdeckung ist auf die enge Zusammenarbeit der drei beteiligten deutschen Arbeitsgruppen zurückzuführen: Sie kooperieren seit 2012 unter dem Dach des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF).


Die neu beschriebenen Erreger zählen zur Gruppe der Hepaciviren. Sie vermehren sich vermutlich in der Leber von Rindern. Die Infektion scheint sehr häufig zu sein. „Wir haben 106 Rinder von verschiedenen zufällig ausgesuchten Farmen in Ghana untersucht“, erklärt Jan Felix Drexler, seit kurzem Professor für Virologie an der Universität Bonn und Mitglied im DZIF. „In neun Tieren konnten wir die Viren nachweisen.“

Die Erreger sind mit dem Hepatitis C-Virus verwandt. Weltweit sind mehr als 180 Millionen Menschen an Hepatitis C erkrankt. Zu einer Ansteckung kommt es hauptsächlich durch Blutkontakt mit infizierten Personen. Die Infektion kann eine chronische Leberentzündung verursachen. Mögliche Folgen sind Leberversagen oder Leberkrebs.

Ob die neu entdeckten Viren auch Menschen anstecken können, lässt sich noch nicht sagen. „Das ist ein wichtiger Punkt, den wir nun untersuchen wollen“, sagt Drexler. „Schließlich zählen Rinder zu den häufigsten Nutztieren weltweit.“ Zudem sei bei der Schlachtung und der Zubereitung des Fleisches ein Kontakt mit Rinderblut möglich. Das Rindervirus sei aber auf keinen Fall der direkte Vorläufer des menschlichen Virus, präzisiert Drexler. „Kein Patient mit einer Hepatitis C-Infektion kann sich bei einem Rind angesteckt haben.“

Unklar ist bislang, welche Symptome die Rinderviren in den Tieren verursachen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass sie sich dort ebenfalls in der Leber vermehren. Inwieweit die Tiere dadurch gesundheitlich beeinträchtigt werden, soll in Zusammenarbeit mit den beteiligten Gruppen untersucht werden.

Die Entwicklungsgeschichte der Rinderviren ermöglicht neue Einblicke in die Evolution der Hepaciviren. „Wir wissen inzwischen, dass die ghanaischen Viren zwei verschiedenen Subtypen angehören“, erläutert Jan Felix Drexler. „Diese haben sich vermutlich bereits vor hunderten von Jahren entwickelt.“ Für detailliertere Analysen wollen die Forscher nun Rinder aus andere Teilen Afrikas und der Welt untersuchen – schließlich ist nicht ausgeschlossen, dass diese ebenfalls mit Hepaciviren infiziert sind.

Publikation: Victor Max Corman, Adam Grundhoff, Christine Baechlein, Nicole Fischer, Anatoly Gmyl, Robert Wollny, Dickson Dei, Daniel Ritz, Tabea Binger, Ernest Adankwah, Kwadwo Sarfo Marfo, Lawrence Annison, Augustina Annan, Yaw Adu-Sarkodie, Samuel Oppong, Paul Becher, Christian Drosten, Jan Felix Drexler: Highly divergent hepaciviruses from African cattle; Journal of Virology (DOI: 10.1128/JVI.00393-15)


Kontakt für die Medien:

Prof. Dr. Jan Felix Drexler
Institut für Virologie, Universität Bonn
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
Tel. 0228/287-11697
E-Mail: drexler@virology-bonn.de

Prof. Dr. Christian Drosten
Direktor des Instituts für Virologie, Universität Bonn
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
Tel. 0228/287-11055
E-Mail: drosten@virology-bonn.de

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Rinderhaltung in Ghana:
Neun von 106 untersuchten Tieren waren mit den neu entdeckten Viren infiziert.
© Foto: Robert Wollny/Uni Bonn
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