Hochschulmedizinische Leistung wird nicht honoriert
Zwei Drittel der Uniklinika erwarten ein Minus – Ursachen sind eine schlechte Bezahlung durch die Krankenkassen und ein enormer Investitionsstau.




Mit der bundesweiten Aktionswoche „Wir leisten mehr“ setzt die chronisch unterfinanzierte Hochschulmedizin ein Zeichen gegen das wachsende Ungleichgewicht von Spitzenleistungen und immer schlechterer Vergütung.

Die Deutsche Hochschulmedizin hat die Aktionswoche „Wir leisten mehr: Die Deutsche Hochschulmedizin“ (10. -14. November 2014) gestartet. Kurz vor dem Endspurt der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform wollen die Hochschulmediziner Politik und Öffentlichkeit auf die besondere Bedeutung der Uniklinika und Fakultäten hinweisen. Gleichzeitig soll auf die dramatische finanzielle Situation vieler hochschulmedizinischer Einrichtungen aufmerksam gemacht werden.
Das Gesamtdefizit für die Jahre 2012 und 2013 liegt bei über einer Viertelmilliarde Euro. Für das Jahr 2014 erwarten 61 Prozent der Uniklinika (19 Häuser) ein Defizit. Nur noch fünf Häuser rechnen mit einem positiven Jahresergebnis.

Die drei Hauptursachen der Finanzierungskrise lauten:
1. Steigende Kosten für Personal, Medikamente und Energie
2. Rückläufige Investitionszuschüsse der meisten Länder
3. Unzureichende Kompensation für die Mehrleistung der Uniklinika


Leiden trotz Leistung
Fast alle Krankenhäuser leiden unter der unzureichenden Finanzierung. Doch die Uniklinika sind von den strukturellen Defiziten besonders betroffen, weil sie mehr leisten wollen und mehr leisten müssen als ein ganz normales Krankenhaus.
Die Universitätsmedizin ist Garant für erstklassige Medizinerausbildung, internationale Spitzenforschung und die Versorgung komplexer Erkrankungen. Die Hochschulambulanzen stellen vielerorts die ambulante Krankenversorgung sicher, obwohl sie gesetzlich nur zur Behandlung von Patienten im Rahmen von Forschung und Lehre verantwortlich sind. Hinzu kommen die ärztliche Weiterbildung, 24/7-Notfallversorgung und die Behandlung von Patienten mit seltenen Erkrankungen.
Alle diese Leistungen haben eins gemeinsam: Sie werden in der Regel nicht ausreichend vergütet.
Die Gesundheitspolitik ist unserem Ruf nach einem Systemzuschlag, der als eigenständige Finanzierungssäule die Leistungen der Universitätsmedizin in besonderer Weise gewichtet, nicht gefolgt. Stattdessen soll über vier Einzelthemen (Hochschulambulanzen, Extremkosten, Notfallversorgung, Zentrenzuschläge) die Finanzierung der Hochschulmedizin gesichert werden.

Ergebnisorientiert und konstruktiv
Der Verband der Universitätsklinika und der MFT Medizinische Fakultätentag werden sich bei der Ausgestaltung von Einzellösungen aktiv einbringen. Egal ob Systemzuschlag oder Veränderungen im Detail: Jede Maßnahme muss sich daran messen lassen, ob sie geeignet ist, die Finanzierung der Hochschulmedizin langfristig zu sichern.
Die Aktionswoche spielt hierbei eine wichtige Rolle. Sie soll die Sensibilität der Öffentlichkeit und Politik für die strukturellen Schwachstellen erhöhen und Wege aufzeigen, die eine moderne und zukunftsfähige Hochschulmedizin in Deutschland ermöglichen.

Die Grafiken zur Aktionswoche finden Sie unter http://www.uniklinika.de/vud.php/cat/320/cont/20.

Bild:
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Pressekonferenz des Deutsche Hochschulmedizin e.V in Berlin am 10.11.2014. PK_Berlin_VUD20141110.jpg
Foto: Stephanie Strehl-Dohmen/Deutsche Hochschulmedizin e.V.

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