Patientenkolloquium 2019
Das Universitätsklinikum Bonn möchte Sie auch 2019 wieder für das Patientenkolloquium "Uni-Medizin für Sie: Mitten im Leben" herzlich einladen ... weiterlesen

Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte und ein Loch im Herz

Der Leidensdruck der drei Kinder aus Afghanistan war hoch. Doch eine medizinische Hilfe ist in ihrer Heimat nicht möglich und eine Behandlung im Ausland ist für die Familien nicht bezahlbar. Hilfe haben die Kinder – auch dank Spenden [s.a. Pressemitteilung Nr. 410 vom 23.10.06] – am Universitätsklinikum Bonn gefunden. Alle drei Kinder sind wohlauf.
Seit der Geburt waren die Herzen von Zohra und Ali im Dauerstress und drohten langfristig zu versagen. Ursache war ein so genannter offener Ductus Botalli. Dieser Kurzschluss zwischen der Hauptschlagader und der Lungenarterie ist für ein ungeborenes Kind lebensnotwendig, da es seine Lungen noch nicht nutzen kann. Normalerweise verschließt sich der Ductus Botalli nach der Geburt innerhalb weniger Stunden von selbst. Doch bei der fünfjährigen Zohra und dem achtjährigen Ali blieb er offen – einer der häufigsten angeborenen Herzfehler. „Beide Kinder litten an einem sehr großen offenen Ductus Botalli. Dadurch war das linke Herz überlastet und das Risiko eines Lungenhochdrucks war hoch. Wahrscheinlich hätten unsere Patienten im Laufe ihres Lebens eine Herzschwäche bekommen“, sagt Privatdozent Dr. Johannes Breuer, Direktor der Kinderkardiologie an der Bonner Universitäts-Kinderklinik.

Daher implantierten die Bonner Ärzte über einen Katheter - etwa so dick wie ein Streichholz - einen „Pfropfen“ in der Form eines Sektkorkens und verschlossen so den offenen Ductus Botalli. „Das linke Herz von Zohra und Ali war schlagartig entlastet. Der Pfropfen sitzt bei beiden Kindern gut und wird fest einwachsen. So bleibt das Loch in ihren Herzen lebenslang sicher verschlossen“, sagt Kinderkardiologe Breuer. Die Zwei haben den Eingriff sehr gut überstanden und konnten bereits am Folgetag die Klinik verlassen.

Ein froher Blick in den Spiegel

Ali ist zudem mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte - eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen - auf die Welt gekommen, ebenso wie der einjährige Karim. Bei beiden Jungen war die Oberlippe gespalten und die Verbindung zwischen Mundraum und Nase war breit offen. Schon im Kleinkindalter sind die Betroffenen starkem psychischen Druck ausgesetzt und werden sozial ausgegrenzt. Doch es ist bei weitem nicht nur ein ästhetisches Problem. So kann beispielsweise ein Säugling nicht gleichzeitig Atmen und Trinken. „Die Zunge legt sich wie ein Rollmops in die Spalte und weitet diese immer weiter auf. Ein Verschluss der Lippe und des Gaumens sollte daher, wie in Deutschland üblich, möglichst frühzeitig erfolgen“, sagt Professor Dr. Dr. Rudolf Reich, Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Bonn. Unbehandelt kann eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte unter anderem zu Zahnfehlstellungen, näselndem Sprechen, Sprachentwicklungsstörungen, Schwerhörigkeit und mimischen Kompensationsbewegungen führen.

In einer ersten Operation haben die Bonner Kiefer- und Gesichtschirurgen bei beiden Jungen die Lippe, den Kiefer und den Nasenboden geschlossen und die Fehlstellung korrigiert. Dabei verschoben sie mit Hilfe eines Mikroskops unter anderem gut durchblutete Teile des vorhandenen Lippengewebes und bauten so mit viel Fingerspitzengefühl das Lippenrot, die Schleimhaut und Ringmuskulatur der Lippe in drei Schichten von innen auf. „Jede Spalte ist anders und der erfahrene Chirurg muss vorausschauend operieren. Es ist wie ein Puzzle und das Resultat soll am Ende auch ästhetisch stimmen“, erklärt Professor Reich die Schwierigkeiten eines solchen Eingriffs. Nach der Operation betrachtete Ali sein neues Gesicht staunend im Spiegel. In einer zweiten Operation verschließen die Bonner Ärzte noch den Gaumen – bei Ali heute und bei Karim in einem Jahr. „Ihre Spalte war zu groß und damit das Risiko zu hoch, die Fehlbildung in einem Schritt komplett zu korrigieren“, sagt Professor Reich.

Ein geborgenes Nest fern der Heimat

Drei Gastfamilien nahmen die Kinder während ihres Aufenthaltes in Bonn liebevoll auf. Trotz Heimweh lebten sich die Drei sehr schnell ein. „Für uns ist es eine Bereicherung mit dem Kind zusammen zu sein. Außerdem ist es schön helfen zu können“, sind sich die Gastmütter einig. Abdul Jalil Hekmat, Geschäftsführer des Vereins für Afghanistan-Förderung, half den Kindern bei der Sprachbarriere und war daher gerade für die kleine Zohra eine enorme Stütze: „Ein großer Dank gebührt allen insbesondere den Gastfamilien, die unseren drei Schützlingen geholfen haben.“

Weitere Informationen zum Verein für Afghanistan-Förderung gibt es im Internet unter http://www.afghanistanfoerderung.de.

Die Bilder zu dieser Pressemitteilung gibt es im Internet unter http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2007/078.html.

Kontakt für die Medien:
Privatdozent Dr. Johannes Breuer
Leiter der Abteilung für Kinderkardiologie
Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-33350
E-Mail: johannes.breuer@ukb.uni-bonn.de

Professor Dr. Dr. Rudolf Reich
Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287 – 22452
E-Mail: rudolf.reich@ukb.uni-bonn.de