Studie zur Altersblindheit überrascht Mediziner
Bei Betroffenen finden sich extrem häufig bestimmte Veränderungen der lichtempflindlichen Netzhaut




Eine neue Studie am Universitätsklinikum Bonn zur altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) hat zu einer überraschenden Entdeckung geführt: Demnach finden sich bei Betroffenen extrem häufig charakteristische Veränderungen der lichtempfindlichen Netzhaut. Bei zwei Dritteln aller untersuchten Patienten konnten die Bonner Mediziner derartige retikuläre Drusen nachweisen. Bislang nahm man an, dass es vor allem krankhafte Prozesse unterhalb der Netzhaut sind, die zum Sehverlust führen. AMD ist die häufigste Ursache für eine Erblindung im Alter. Die Ergebnisse der Bonner Forscher sind kürzlich in der Zeitschrift Ophthalmology (doi: 10.1016/j.ophtha.2009.10.044) erschienen.


Die Bonner Forscher haben AMD-Patienten mit einer Kombination zweier Verfahren untersucht. Sie erhielten so einerseits durch die Pupille detaillierte Bilder vom Augenhintergrund mit der lichtempfindlichen Netzhaut. Andererseits konnten sie auch virtuelle hoch auflösende optische Schnitte durch die Netzhaut und die darunter liegenden Gewebeschichten durchführen.

„Wir konnten so markante Veränderungen auf Ebene der lichtempfindlichen Sehzellen sichtbar machen“, erläutert Professor Dr. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. „Dies war umso überraschender, als man bisher annahm, dass sich die Erkrankung im Wesentlichen in anatomisch tieferen Schichten abspielt und nicht primär auf Ebene der Photorezeptoren.“

Die Bonner Augenheilkundler haben inzwischen Netzhautaufnahmen von über 500 Patienten aus einer internationalen, multizentrischen Studie untersucht. Dabei zeigte sich, dass derartige Veränderungen, die so genannten retikulären Drusen, keineswegs selten sind: „Wir finden diese Veränderungen bei mehr als zwei Dritteln der Betroffenen“, sagt der Bonner AMD-Experte Dr. Schmitz-Valckenberg. „Vielleicht ermöglicht dieser Befund mittelfristig auch neue therapeutische Ansätze.“

Zunächst will das Bonner Forschungsteam in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den USA nun herausfinden, woraus die retikulären Drusen bestehen. Zusammen mit Humangenetikern aus Regensburg versuchen sie zudem, Erbanlagen zu identifizieren, die für die Entstehung dieser Veränderungen verantwortlich sind.

In Deutschland leiden etwa viereinhalb Millionen Menschen unter der altersabhängigen Makuladegeneration. Bei der Erkrankung wird die Stelle des schärfsten Sehens, die so genannte Makula, irreversibel geschädigt. Ein „schwarzer Fleck“ verdeckt das Zentrum des Blickfeldes und dehnt sich mehr und mehr aus, bis Lesen oder Autofahren unmöglich werden. Bislang dachte man, dass Ablagerungen aus „Stoffwechselmüll“ für den Tod der Sinneszellen in der Makula-Region verantwortlich sind. Dieser so genannte „Drusen“ sammelt sich bei AMD-Patienten unter der Pigmentzellschicht der Netzhaut.

Retikuläre Drusen wurden zwar bereits vor zwanzig Jahren als vermeintlich seltenes Phänomen beschrieben. Wo sie sich genau befinden und woraus sie bestehen, wurde aber nie genauer untersucht, da sie nur bei wenigen Patienten aufzutreten schienen.

Kontakt:
Professpr Dr. Frank G. Holz
Universitäts-Augenklinik Bonn
Telefon: 0228/287-15647
E-Mail: Frank.Holz@ukb.uni-bonn.de

Privatdozent Dr. Steffen Schmitz-Valckenberg
Telefon: 0228/287-19434 (Pforte) oder -11607
E-Mail: steffen.schmitz-valckenberg@ukb.uni-bonn.de