Punktgenaue Navigation in der Prostata
Neue ultrapräzise Technik verbessert Diagnostik von Krebs der Vorsteherdrüse




Eine neue Diagnostik-Methode ist die Prostatabiopsie mit Hilfe eines Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT). Diese Technik erlaubt Radiologen am Universitätsklinikum Bonn Gewebeproben gezielt unter bildgebender Kontrolle aus einem verdächtigen Bereich der Prostata zu entnehmen. Die so genannte „MRT-gesteuerte stereotaktische Prostatabiopsie“ bietet somit im Vergleich zu sonst üblichen Sektor- bzw. Sättigungsbiopsien den Vorteil, dass der Tumor hinsichtlich Größe und Lage genau identifiziert werden kann. Über diese Innovation und andere Neuigkeiten rund um Prostatakrebs diskutieren Experten am Samstag, 3. März, von 10 bis 13.40 Uhr im Günnewig Hotel Bristol Bonn. Die Medien sind herzlich dazu eingeladen.


Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. In Deutschland liegt die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr bei 65.000, und mehr als 10.000 sterben jährlich an diesem Leiden. Eine auffällige Tastuntersuchung oder ein erhöhter PSA-Wert können ein Warnhinweis sein, erlauben aber keine eindeutige Diagnose. Gewissheit kann erst eine Gewebeprobe geben, die unter dem Mikroskop von Pathologen untersucht wird.

Standard ist heute bei einer Prostatabiopsie unter Ultraschallkontrolle zehn bis zwölf Gewebeproben nach einem festen Schema aus allen Bereichen der Prostata zu entnehmen. Beim Ultraschall ist es allerdings schwierig, verdächtiges von gesundem Gewebe abzugrenzen. „Es kann sein, dass ein vorhandenes Karzinom nicht erkannt und bei der Biopsie dann nicht erfasst wird“, konstatiert Privatdozent Dr. Winfried Willinek, Geschäftsführender Oberarzt und Leiter der Magnet-Resonanz-Tomographie an der Radiologischen Universitätsklinik in Bonn. „Das bedeutet für Männer mit einem anhaltend erhöhten oder weiter steigenden PSA-Wert die Unsicherheit, ob vielleicht doch ein Karzinom vorliegt.“ Bis zur endgültigen Klärung seien weitere Biopsien erforderlich. Die Genauigkeit der MRT in der Lokalisation von tumorverdächtigen Bereichen bei klinischem Verdacht auf ein Prostatakarzinom ist denen des Ultraschalls überlegen.

Probenzahl deutlich gesenkt

Einige Studien haben eine hohe Zuverlässigkeit der diagnostischen MRT nach erfolgloser Biopsie ermittelt, wenn kein Karzinom im MRT-Bild zu sehen ist. Das bedeutet, dass in dem Fall dem Patienten eine erneute Biopsie erspart bleiben kann. Wird jedoch verdächtiges Gewebe im MRT entdeckt, ist eine Biopsie erforderlich. Die Belastung mehrfacher Biopsien will die Radiologische Universitätsklinik Bonn in Zusammenarbeit mit der Urologischen Universitätsklinik von Prof. Dr. Stefan C. Müller den davon Betroffenen mit der MRT-gesteuerten stereotaktischen Prostatabiopsie nehmen.

Zunächst erstellen die Bonner Radiologen anhand einer MRT-Untersuchung am neuen Hochfeldtomographen ein räumliches Bild der Prostatadrüse, lokalisieren krebsverdächtige Regionen und planen den Weg dorthin am Computer. Unter MRT-Kontrolle führen sie dann eine dünne Nadel, die in einer Führungsschiene liegt, über den Enddarm zur Prostata und steuern den verdächtigen Herd nach den vorher berechneten Koordinaten punktgenau an. „So brauchen wir für eine Diagnose oft nur zwei anstelle der üblichen zehn bis zwölf Proben und lassen auch potentiell gesunde Bereiche der Prostata unangetastet“, sagt Willinek.

Endlich eine klare Diagnose

„Wir wollen, dass der Betroffene möglichst nach der ersten Prostatabiopsie Klarheit hat“, sagt Professor Dr. Hans Schild, Direktor der Radiologischen Universitätsklinik Bonn. „Neben Hinweisen auf morphologische Auffälligkeiten liefert die Hochfeld-MRT uns zusätzlich weitere wichtige Informationen, zum Beispiel über die Durchblutung, Stoffwechsel und die Zelldichte in der Prostata. Diese nehmen auch Einfluss auf die Behandlung wie die Strahlentherapie“, sagt Willinek. Diese so genannten funktionellen Informationen sind Gegenstand laufender Studien und auch ein Thema auf dem aktuellen interdisziplinären Symposium.

Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. Winfried A. Willinek
Geschäftsführender Oberarzt
Radiologische Universitätsklinik Bonn
Telefon: 0228/287-15960, -11045
E-Mail: Winfried.Willinek@ukb.uni-bonn.de