Neurodermitis: Test für Risiko-Patienten in Reichweite?
Bei einer schweren viralen Komplikation der Erkrankung ist ein bestimmtes Enzym hochaktiv, zeigt Studie der Uni Bonn




Manche Neurodermitis-Patienten sind zusätzlich sehr anfällig für eine massive Herpes-Infektion. Dieses „Eczema herpeticum“ kann auf die Hirnhaut übergreifen und dann lebensgefährlich verlaufen. Vielleicht lässt sich bald testen, welche Menschen mit Neurodermitis besonders gefährdet sind: Mediziner der Universitäten Bonn konnten zeigen, dass bei Risikopatienten ein bestimmtes Enzym besonders aktiv ist. Die Ergebnisse sind jetzt online in der renommierten Fachzeitschrift „Allergy“ erschienen.

Das Eczema herpeticum ist zwar eine relativ seltene Begleiterscheinung einer Neurodermitis, allerdings eine gefürchtete. Ursache ist eine Infektion mit dem Herpes simplex-Virus, die weite Hautpartien betrifft. In der Regel verläuft sie so schwer, dass sich die Betroffenen stationär in einer Klinik behandeln lassen müssen.

Erstaunlicherweise tritt das „Herpes-Ekzem“ nur bei einer bestimmten Untergruppe von Betroffenen auf. Die Dermatologen aus Bonn haben nun nach Merkmalen gesucht, mit denen sich diese Risiko-Patienten sicher identifizieren lassen. Sie untersuchten dazu unter anderem Menschen mit einer Neurodermitis, die bereits ein Eczema herpeticum durchgemacht hatten.

„Diese Patienten zeigten eine auffällige Gemeinsamkeit“, erklärt Professor Dr. Dr. Thomas Bieber von der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Bonn. „In bestimmten Immunzellen der Haut, den so genannten Langerhans-Zellen, war ein Enzym namens IDO nach Stimulation besonders aktiv. In Neurodermitikern ohne Herpes-Ekzem war die IDO-Aktivität dagegen normal.“

IDO baut den Eiweiß-Baustein Tryptophan ab. Die Produkte, die dabei entstehen, sind sehr aktiv und können das Immunsystem vorübergehend lahm legen. Dadurch verläuft die Herpes-Infektion sehr viel schwerer als normalerweise.

Hoffnung auf einen Schnelltest

Die Resultate lassen auf einen Schnelltest hoffen, der Neurodermitis-Patienten mit einem besonders hohen Herpes-Ekzem-Risiko identifizieren kann. An einem solchen Test hat auch das Militär Interesse: Menschen mit der Neigung zu einem Herpes-Ekzem reagieren auch auf eine Pocken-Schutzimpfung mit schweren Nebenwirkungen.

Viele Kinder mit Neurodermitis wurden in den 60-er bis 80-er Jahre nicht gegen Pocken geimpft, da man um dieses erhöhte Komplikations-Risiko wusste. Die Pocken gelten inzwischen zwar als ausgerottet; es wird aber befürchtet, dass sie als biologischer Kampfstoff ein Revival erleben könnten.

Jeder fünfte Säugling hat Neurodermitis

Die Arbeiten wurden aus Mitteln von CK-CARE (Christine Kühne-Center for Allergy Research and Education) finanziert – das ist ein Programm der Kühne-Stiftung zur Förderung von Forschung und Ausbildung im Allergiebereich. Das Projekt fokussiert nicht allein auf das Eczema herpeticum. „Es zeichnet sich immer mehr ab, dass Neurodermitis eine Sammelbezeichnung für unterschiedliche Krankheits-Subtypen ist“, betont Bieber. „Wir müssen diese Subtypen sauber diagnostizieren und differenzieren, um die Betroffenen individuell maßgeschneidert behandeln bzw. ihnen präventive Maßnahmen anbieten zu können.“

Wie wichtig dieses Anliegen ist, verdeutlichen die Zahlen: Jeder fünfte Säugling entwickelt heute eine Neurodermitis – mit steigender Tendenz. Das Hautleiden ist damit eine der häufigsten Krankheiten überhaupt. Doch bei weitem nicht immer verläuft das Leiden chronisch; in mehr als der Hälfte der Fälle heilt es spontan aus. „Wir wollen herausfinden, warum das so ist“, erklärt Bieber. „Denn aus diesen Spontan-Heilungen hoffen wir, Strategien für eine erfolgreichere Prävention und Therapie ableiten zu können.“

Publikation: Antonia Staudacher, Torsten Hinz, Natalija Novak, Dagmar von Bubnoff, Thomas Bieber: Exaggerated IDO1 expression and activity in Langerhans cells from patients with atopic dermatitis upon viral stimulation: a potential predictive biomarker for high risk of Eczema herpeticum; Allergy; DOI: 10.1111/all.12699


Kontakt:

Professor Dr. Dr. Thomas Bieber, MDRA
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-14388
E-Mail: thomas.bieber@ukb.uni-bonn.de

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