Patientenkolloquium 2019
Das Universitätsklinikum Bonn möchte Sie auch 2019 wieder für das Patientenkolloquium "Uni-Medizin für Sie: Mitten im Leben" herzlich einladen ... weiterlesen

Der Schlag traf ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel

Plötzlich war seine rechte Körperhälfte gelähmt und er konnte nicht mehr sprechen. Prompte Hilfe fand Wolfgang R. im Universitätsklinikum Bonn, das für Schlaganfall-Patienten rund um die Uhr eine Schlaganfallstation, die so genannte Stroke Unit, betreibt. Das Bonner Spezialteam löste das Blutgerinnsel rasch auf, bevor es bleibende Schäden im Gehirn verursachen konnte. Nach zwei Wochen konnte Wolfgang R. jetzt fast beschwerdefrei die Stroke Unit verlassen.
Der Schlaganfall kam für den kerngesunden Rentner ganz unerwartet: Wolfgang R. saß am Computer, als er plötzlich seinen rechten Arm und sein rechtes Bein nicht mehr bewegen konnte. Auslöser war eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn, verursacht durch ein Blutgerinnsel in der mittleren Hirnarterie. Die Großhirnrinde – verantwortlich für Bewegungen und Sprache – wurde nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Zucker versorgt. Bei Sauerstoffmangel beginnen die äußerst empfindlichen Gehirnzellen nach kurzer Zeit abzusterben. „Ich hatte Glück im Unglück. Mein Hausarzt schaltete direkt und wies mich sofort in die Stroke Unit des Universitätsklinikum Bonn ein“, sagt Wolfgang R.

In Bonn und Umgebung erleiden pro Jahr rund 1.000 Menschen einen Schlaganfall, die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und ein Hauptgrund für die Pflegebedürftigkeit im Alter. „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Es bleibt nur wenig Zeit, ein Blutgerinnsel medikamentös aufzulösen und so die weitere Zerstörung von Gehirngewebe zu verhindern", sagt Professor Dr. Thomas Klockgether, Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Bonn. „Ein Spezialteam muss daher rasch alle dringend erforderlichen Maßnahmen ergreifen.“ Deshalb stehen in der Stroke Unit auf dem Venusberg Neurologie, Neuroradiologie und Neurochirurgie in räumlicher Nähe Tag und Nacht für Schlaganfall-Patienten bereit.

Schlaganfall - jede Minute zählt

So auch für Wolfgang R.: Innerhalb weniger Minuten lokalisierten die Bonner Ärzte mit Hilfe eines Computertomografen das Blutgerinnsel im Gehirn. Bereits zwei Stunden nach Auftreten der Symptome konnte bei dem 75-jährigen Großvater eine so genannte Thrombolyse durchgeführt werden, um den Blutpfropfen aufzulösen und so das Blutgefäß zu öffnen. Diese Maßnahme ist nur in den ersten drei, in Ausnahmefällen sechs Stunden nach dem Schlaganfall möglich. Neuroradiologe Professor Dr. Horst Urbach führte dazu einen Mikrokatheter unter Röntgenkontrolle über die Leiste zum Blutgerinnsel und applizierte dort ein Mittel, das Blutgerinnsel auflösen kann: „Unserem Patienten ging es schon während der Thrombolyse wieder besser. Er konnte wieder sprechen und seinen rechten Arm heben.“

In der Stroke Unit werden der Kreislauf und andere wichtige Körperfunktionen ständig überwacht. "So können wir schnell auf Komplikationen reagieren oder sie möglichst vermeiden", sagt Professor Klockgether. Aufgrund einer verbliebenen Enge im Blutgefäß, einer so genannten Stenose, ging es Wolfgang R. zwei Tage nach dem Schlaganfall plötzlich wieder schlechter. Die Bonner Ärzte handelten sofort und dehnten mit einem Ballonkatheter den Engpass auf. „Dabei mussten wir die Arterie sehr vorsichtig aufdehnen, damit sie nicht einreißt – das hätte sonst lebensgefährliche Blutung für den Patienten bedeutet“, sagt Professor Urbach.

Wolfgang R. begann mit Hilfe von Krankengymnasten bereits auf der Stroke Unit frühzeitig mit der Rehabilitation: „Ich bin dankbar, so schnell und professionell Hilfe gefunden zu haben. Alles ist gut abgelaufen und ich habe keine bleibenden Schäden.“ Der 75-Jährige hat bei seiner Entlassung nur noch leichte Beschwerden im rechten Bein. Doch rechnen die Ärzte mit einer vollständigen Rehabilitation auch ohne Besuch einer Reha-Klinik. „Unser Patient ist ein Paradebeispiel dafür, dass Stroke Units das Risiko von Tod oder Folgeschäden minimieren. Denn Diagnose, Behandlung, Pflege und Therapie greifen in der Stroke Unit ineinander. Wir sparen dadurch für den Patienten wertvolle Zeit", sagt Professor Klockgether.

Die Bilder zu dieser Pressemitteilung gibt’s im Internet unter http://www.uni-bonn.de >> Aktuelles >> Presseinformationen.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Thomas Klockgether
Klinik und Poliklinik für Neurologie des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-15736
E-Mail: thomas.klockgether@ukb.uni-bonn.de