Patientenkolloquium 2019
Das Universitätsklinikum Bonn möchte Sie auch 2019 wieder für das Patientenkolloquium "Uni-Medizin für Sie: Mitten im Leben" herzlich einladen ... weiterlesen

Schlaganfall mit 21 Jahren wegen eines Herzfehlers

Schlaganfall: Damit rechnet keiner mit 21 Jahren. Ursache bei Nadine S. waren angeborene Kurzschlussverbindungen in ihrem Herzen. Hilfe fand sie an der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn. Da ein Implantat allein nicht ausreichte, verschlossen die Kardiologen erstmals in Bonn drei Defekte in der Vorhofscheidewand mit zwei sich überlappenden Doppelschirmen. Damit ist die Gefahr eines erneuten Schlaganfalls für die junge Patientin abgewendet.
Der Schlaganfall kam für die 21-Jährige ganz unerwartet: Früh am Morgen war plötzlich ihre rechte Körperhälfte gelähmt, und sie konnte nicht mehr sprechen. „Ich sah mich schon mein ganzes Leben im Rollstuhl sitzen. Doch zum Glück habe ich keine Folgeschäden“, sagt Nadine S.. Ihre Angst vor einem weiteren Schlaganfall war jedoch groß. Zur Klärung der Ursache kam die junge Frau in die Kardiologie am Bonner Universitätsklinikum. Auslöser war eine paradoxe Mikroembolie, bedingt durch einen angeborener Herzfehler.

Vor der Geburt übernimmt der Mutterkuchen die Sauerstoffversorgung des Kindes, und eine ventilartige Öffnung zwischen den Vorhöfen leitet das Blut an der Lunge vorbei in das linke Herz. Diese Verbindung verschließt sich normalerweise nach der Geburt. Bei jedem dritten Menschen bleibt sie jedoch offen. Dieses so genannte offene Foramen ovale ist meist unproblematisch. Nadine S. hatte jedoch zusätzlich zwei kleine Löcher in der Scheidewand zwischen den beiden Vorhöfen, so genannte Vorhofseptumdefekte. Durch diese floß Blut vom linken Herzen, dem Ort mit höherem Druck, in die rechte Herzhälfte. Hinzu kam eine sackförmige Ausstülpung der Vorhofscheidewand, ein so genanntes Vorhofseptumaneurysma.

„Das ist durchaus eine seltene Kombination, die das Schlaganfallrisiko unserer Patientin erhöhte. Da jedoch die Funktion ihres Herzens nicht gestört war, blieb ihr angeborener Herzfehler unbemerkt“, sagt Professor Dr. Georg Nickenig, Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn. Schon ein starker Husten kann den Druck im rechten Vorhof erhöhen. Der Blutfluss durch die Löcher in der Scheidewand dreht sich um, und das Ventil im offenen Foramen ovale öffnet sich. „Der Weg zum linken Herzen ist kurzfristig frei und vorhandene Blutgerinnsel können über den Blutstrom in den arteriellen Kreislauf eintreten. Eine solche paradoxe Mikroembolie kann zu Durchblutungsstörungen im Gehirn und sogar wie bei unserer Patientin zu einem Schlaganfall führen“, sagt Professor Nickenig.

Kniffliger Eingriff bannt Schlaganfallrisiko

Um einen erneuten Schlaganfall auszuschließen, verschlossen die Bonner Ärzte die drei Kurzschlussverbindung in der Vorhofscheidewand erfolgreich in einem minimal invasiven Eingriff. Die Implantation eines Doppelschirms mittels Katheter dauert für einen routinierten Kardiologen in der Regel 15 Minuten. „Doch bei unserer Patientin lagen die Defekte so, dass ein Implantat allein nicht alle drei optimal verschließen konnte. Deshalb entschlossen wir uns erstmals in Bonn, zwei Doppelschirme überlappend zu implantieren“, sagt Professor Nickenig.

Mittels Katheter führten die Bonner Ärzte zwei zusammengefaltete Doppelschirme über die Leiste zu den defekten Stellen in der Vorhofscheidewand. Dort öffneten sie die Schirme, so dass die Defekte von beiden Seiten abgedeckt wurden. „Dieser Eingriff war technisch sehr knifflig, denn beide Doppelschirme müssen gerade und flach sitzen ohne den Blutstrom oder die Herzklappen zu behindern“, sagt Professor Nickenig. Eine Stunde dauerte der erfolgreiche Eingriff. Die beiden Doppelschirme verschließen nun die drei Defekte wie die Brotscheiben eines Sandwichs. Die Schirmchen wachsen fest ein, und die Defekte im Herzen bleiben sicher verschlossen.

Bereits am Tag nach dem Eingriff konnte Nadine S. wohlauf die Klinik verlassen. Sie fühlt sich fit wie vorher und hat ihre unterbrochene Ausbildung als Erzieherin wieder aufgenommen. „Dank meinem Freund, meiner Familie und den Ärzten kann ich immer noch meinen Traum verwirklichen mit Kindern zu arbeiten“, freut sich die junge Frau.

Die Bilder zu dieser Pressemitteilung gibt’s im Internet unter http://www.uni-bonn.de >> Aktuelles >> Presseinformationen.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Georg Nickenig
Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-15217
E-Mail: georg.nickenig@ukb.uni-bonn.de