Statine fördern Abbau gefährlicher Mini-Eiweiße im Gehirn
Neue Studie stützt die These, dass die Cholesterinsenker auch gegen Alzheimer schützen




Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels können vermutlich auch den Abbau gefährlicher Mini-Proteine im Gehirn beschleunigen. Das zeigt eine Studie der Universität Bonn, die jetzt im Journal of Biological Chemistry erschienen ist (doi: 10.1074/jbc.M110.149468). Demnach sorgen Wirkstoffe aus der Gruppe der Statine dafür, dass Immunzellen im Gehirn vermehrt ein bestimmtes Enzym ausscheiden. Dieses Enzym zerstört das so genannte Amyloid-beta-Peptid, das für den Tod der Nervenzellen bei Alzheimer verantwortlich sein soll.


Statine sind die am häufigsten verschriebenen Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels. Manche epidemiologische Studien deuten zudem darauf hin, dass Statine vor der Alzheimer-Krankheit schützen können. Bislang ist dieser Zusammenhang jedoch umstritten.

Die Bonner Forscher haben nun neue Argumente vorgelegt, die diese These stützen. Sie konnten in Zellkulturen und Versuchen mit Mäusen zeigen, dass Statine die Ausschüttung des Enzyms IDE verstärken. Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es im Gehirn zur Ablagerung von Proteinen. Diese gefährlichen Plaques bestehen vor allem aus dem kleinen Amyloid-Beta-Peptid (A-Beta). IDE kann A-Beta sehr effektiv abbauen.

„Dieser Effekt beruht erstaunlicherweise nicht auf der Cholesterin-senkenden Wirkung der Statine“, betont Professor Dr. Jochen Walter von der Klinik für Neurologie. „Statine hemmen jedoch gleichzeitig die Bildung so genannter Isoprenoide. Über diesen Nebeneffekt sorgen sie dafür, dass die so genannten Microgliazellen im Gehirn vermehrt IDE ausschütten.“

Der jetzt aufgeklärte Wirkmechanismus lässt auf eine neue Generation von Alzheimer-Medikamenten hoffen. So gibt es Substanzen, die die Isoprenoid-Synthese behindern, ohne in den Cholesterin-Haushalt der Zellen einzugreifen. Einige von ihnen werden zum Beispiel zur Therapie bestimmter Krebsarten eingesetzt.

„Wir haben mit einem derartigen Krebsmedikament Mäuse behandelt“, erklärt Walters Mitarbeiter Dr. Irfan Y. Tamboli. „In ersten Untersuchungen konnten wir dabei einen erhöhten Abbau von A-Beta im Blut feststellen.“ Als nächstes wollen die Bonner Wissenschaftler die Wirksamkeit dieser Substanzen im Gehirn testen.

Kontakt:
Professor Dr. Jochen Walter
Neurologische Klinik der Universität Bonn
Telefon: 0228/287-19782
E-Mail: Jochen.Walter@ukb.uni-bonn.de