Transplantationsnachsorge


Um einer Abstoßung des transplantierten Organs durch den Körper entgegenzuwirken, werden zu Beginn der Behandlung höher dosiert immunsuppressive Medikamente verabreicht, die später deutlich reduziert werden. Besonders in der 2. und 3. Woche nach Transplantation treten erfahrungsgemäß gehäuft akute Abstoßungsreaktionen auf. Daher ist eine engmaschige Kontrolle der Organfunktion durch Kontrolle von Laborwerten, Ultraschalluntersuchungen und ggf. Biopsie (Gewebeentnahme aus dem Transplantat durch Punktion) notwendig. Ist nach mikroskopischer Untersuchung eine Abstoßungsreaktion gesichert, wird eine entsprechende medikamentöse Therapie gegen die Abstoßung eingeleitet, die mit den heute verfügbaren Medikamenten einen Erhalt der Nierenfunktion in über 90 % der Fälle ermöglicht.



Von den in Bonn transplantierten Patienten benötigten im Mittel 50% eine verschärfte Abstoßungstherapie (zum Beispiel Kortisonstoß). Bereits während des stationären Aufenthaltes wird der Patient geschult die notwendigen Medikamente nach Plan einzunehmen und selbst zu kontrollieren, ob Anzeichen für eine Abstoßung oder für mögliche Infekte auftreten, ob Blutdruck und Wasserhaushalt normal sind. Nach 2 - 4 Wochen ist im Regelfall die Organfunktion so stabilisiert, dass der Patient in die weitere ambulante Nachsorge entlassen werden kann. Eine völlig stabile Situation ist in der Regel erst nach 3 Monaten zu erwarten.

Die ambulante Nachsorge erfolgt zunächst in kurzfristigen Intervallen (1-2-mal wöchentlich) in unserer Transplantationsambulanz. Je nach Patientenwunsch und Absprache mit dem niedergelassenen Nephrologen können die Kontrollen auch in Kooperation abwechselnd durchgeführt werden. Später sind Kontrollen in der Regel in 4- bis 12-wöchigen Abständen empfehlenswert. Während dieser Besuche wird vor allem Wert gelegt auf die Überwachung der Nierenfunktion, des Blutdruckes, des Kohlehydrat- und Fettstoffwechsels sowie auf die Dosierung der immunsuppressiven Medikamente. Die optimale Dosierung der Immunsuppressiva muss auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden: ein zuwenig bedeutet Abstoßung des Transplantates, ein zuviel bedeutet ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Stoffwechselprobleme, Tumore und kardiovaskuläre Erkrankungen.

Die akute Transplantatabstoßung kann mit uncharakteristischen Symptomen ähnlich einer Grippe einhergehen und muss von Virusinfekten, bakteriellen Infekten oder Pilzinfektionen unterschieden werden. Die Diagnose einer Abstoßung setzt sich aus vielen Befunden als einzelne Mosaiksteinchen zusammen. Der einfachste Parameter für die Kontrolle der Nierenfunktion ist nach wie vor die Bestimmung des Kreatinins im Serum, in unserer Ambulanz werden zusätzlich bei jeder Vorstellung Cystatin C und in größeren Abständen nach Bedarf auch ß-Traceprotein bestimmt.
In der Nieren-Transplantations-Ambulanz der Medizinischen Klinik I werden über 300 transplantierte Patienten in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kollegen betreut. Durch die engmaschige, konsequente Versorgung erhoffen wir, eine längere und bessere Transplantatfunktion und gute Lebensqualität für unsere Patienten zu ermöglichen.