Medizinische Klinik III
Schwerpunkt Infektiologie




Infektionen in der Hämatologie-Onkologie

In den letzten Jahren konnten große Fortschritte in der Behandlung maligner Erkrankungen erzielt werden. Größtenteils beruhen diese auf der Einführung intensiver Chemotherapien, die zwar höhere Ansprechraten zeigen, aber auch mit einem höheren Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen einhergehen. Insbesondere Infektionen in der neutropenischen Phase nach Chemotherapie stellen eine häufige und oft schwer zu behandelnde Komplikation dar. Dies trifft besonders für myelosuppressive Chemotherapien zu, d.h. Therapien, die eine Neutropeniedauer > 5 Tage induzieren.

Erstsymptom einer Infektion ist meistens Fieber. Zwar kann dieses differentialdiagnostisch viele Ursachen haben, dennoch ist der häufigste und gravierendste Auslöser eine Infektion. Differentialdiagnostisch erschwerend kommt hinzu, daß bei Patienten in Neutropenie klassische Entzündungszeichen häufig fehlen: Wegen der fehlenden Leukozyten bildet sich kein Eiter an infizierten Läsionen, auch pneumonische Infiltrate sind häufig schwächer ausgeprägt, und Harnwegsinfektionen gehen typischerweise ohne Leukozyturie einher. Auf dem Boden dieser diagnostischen Schwächen und weil eine Infektion für neutropenische Patienten so bedrohlich ist, wird als Ursache für das Fieber in Neutropenie immer eine Infektion angenommen und die Patienten werden entsprechend mit Breitspektrumantibiotika behandelt.

Bei ungefähr 30% der Patienten mit febriler Neutropenie kann ein Bakterium in der Blutbahn als Ursache nachgewiesen werden (Bakteriämie). 15-25% der Fieberepisoden liegt eine Pneumonie zugrunde, bei ca. 50% kann die Ursachen nicht eindeutig identifiziert werden (FUO). Gastrointestinale oder Harnwegsinfektionen sind relativ seltene (<10%) Ursachen für febrile Neutropenien. In Abhängigkeit von dem Grad der Immunsuppression verändert sich das Erregerspektrum z.B. von Pneumonien hin zu selteneren Erregern wie Pilzen (insbesondere Schimmelpilzen) und Viren.

In der Medizinischen Klinik III werden Patienten mit Neutropenie nach Chemotherapie gemäß kliniksinterner, an den Richtlinien der AGIHO orientierter, Leitlinien behandelt, um das Risiko einer febrilen Neutropenie möglichst gering zu halten. Um die Ergebnisse in der Behandlung zu verbessern, beschäftigen wir uns intensiv mit neuen Ansätzen zur Diagnostik und Therapie von febriler Neutropenie.