Umfrage des UKB: Krankenhäuser engagieren sich mehr für das Risikomanagement


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Mehr als doppelt so viele Krankenhäuser wie noch 2010 nutzen inzwischen Patientenbefragungen, um Risikoquellen zu identifizieren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Instituts für Patientensicherheit (IfPS) der Universitätsklinik Bonn unter 572 Krankenhäusern in Deutschland. Die Umfrage wird durchgeführt in Kooperation mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit, dem AOK-Bundesverband und der Techniker Krankenkasse.


Bonn, 17.09.2015. Das Engagement für Patientensicherheit an deutschen Krankenhäusern macht Fortschritte. Heute nutzen weitaus mehr Kliniken Instrumente des klinischen Risikomanagements (kRM) als noch 2010 – zum Zeitpunkt der Vorgängerbefragung. Die Studie belegt aber auch, dass das kRM noch systematischer und vernetzter erfolgen könnte. „Unsere Untersuchung von rund 600 Krankenhäusern hat gezeigt, dass diese mittlerweile ein breites Spektrum von Maßnahmen einsetzen, um die Patientensicherheit zu erhöhen“, erläutert Prof. Tanja Manser, Direktorin des Instituts für Patientensicherheit am UKB. „Insgesamt kann man sagen, dass die politischen Forderungen Wirkung zeigen, aber ohne die Förderung von Kompetenz und Ressourcen in den Kliniken wird es nicht gehen.“

Fortschritte zeigen sich auf allen Feldern: So verwenden heute fast alle der befragten Krankenhäuser ein breites Spektrum an Datenquellen zur Risikoidentifikation. Patientenbefragungen werden heute bei 98 Prozent der Krankenhäuser durchgeführt (2010: 47 Prozent). 91 Prozent der befragten Krankenhäuser werten Schadensfälle aus (2010: 79 Prozent), 96 Prozent machen Kennzahlen-Analysen (2010: 86 Prozent) und 91 Prozent erheben selbst Daten (2010: 84 Prozent).

Auch im Bereich Risikobewältigung werden bewährte Verfahren immer breiter eingesetzt. So führen mittlerweile 91 Prozent der Krankenhäuser ein systematisches MRSA-Screening von Risikopatienten durch. Fünf Jahre zuvor waren es noch 72 Prozent. Auch die Einführung professioneller Fehlermeldesysteme, sogenannter Critical Incident Reportings (CIRS), deren Einsatz vom Gemeinsamen Bundesausschuss empfohlen wurde, ist vorangekommen. Inzwischen setzen mit 68 Prozent der Kliniken doppelt viele Häuser auf ein lokales CIRS wie 2010 (34 Prozent).

Ermutigend ist, dass es gerade bei Schulungen zu CIRS-Fehlermeldesystemen, bei der Rückmeldung an die Fehler-Meldenden zur Ereignissen und Analyseergebnissen und bei der Umsetzung von Maßnahmen aus Ereignisanalysen gute Fortschritte erzielt werden konnten. „Es kann aber auf eine Strategie, die eine Systematisierung und Implementierung der einzelnen Maßnahmen zur Patientensicherheit zum Ziel hat, nicht verzichtet werden“, so Prof. Manser.

Insgesamt hat sich das kRM seit 2010 positiv entwickelt, allerdings gibt es auch weiterhin Schwachstellen. So sind Verfahren der prospektiven Risikoanalyse noch die Ausnahme, fast die Hälfte der Krankenhäuser (43 Prozent) hat sich damit noch gar nicht befasst. Auch die Zusammenführung der aus verschiedenen Quellen gesammelten Risikoinformationen kann trotz positivem Trend noch verbessert werden (63 Prozent ja, 2010: 36 Prozent). Auch fehlen in vielen Kliniken noch Strategie und Systematisierung der Einzelmaßnahmen. Dementsprechend sehen die befragten Kliniken auch

Verbesserungsbedarf im offenen Umgang mit Fehlern, bei Vernetzung und Austausch zwischen den Kliniken/Abteilungen und bei der Standardisierung der Verfahren.

Auch wurde wieder nach den wichtigsten Risikoschwerpunkten im Klinikalltag gefragt. Hier gibt es gegenüber 2010 einige Veränderungen. Zwar stehen Schnittstellenprobleme bei Aufnahme, Entlassung, Abteilungswechsel und Übergabe weiterhin an oberster Stelle, auch Platz 2 ist mit den Risiken bei der Arzneimitteltherapie gleich geblieben. Auf Platz 3 folgen diesmal aber diagnostische und therapeutische Risiken (2010: Rang 6), und neu auf Platz 4 ist es die Notfallaufnahme. Krankenhaus-Infektionen/Hygiene sind auf Platz 5 (2010: Platz 3).

Die schriftliche Online-Befragung wurde von März bis Juni 2015 durchgeführt, teilgenommen haben 572 Krankenhäuser und Rehabilitationskliniken. 32 Prozent der befragten Kliniken waren in privater Trägerschaft, 38 Prozent frei-/gemeinnützig und 29 Prozent öffentlich. Die Stichprobe setzt sich zusammen aus Universitätsklinika (6 Prozent), Allgemein-Krankenhäusern (61 Prozent), Fachkrankenhäusern (11 Prozent), Psychiatrien (7 Prozent), Rehabilitationskliniken (14 Prozent) und anderen (1 Prozent). Der Rücklauf entspricht der Verteilung der Bundesländer der Grundgesamtheit.

Die Präsentation von Prof. Manser (Universitätsklinikum Bonn) sowie weitere Pressematerialien und einen kurzen Trailer über das Thema Patientensicherheit finden Sie unter:
https://ukbnewsroom.wordpress.com/


Kontakt:
Fiona Mc Dermott, Dipl.-Ges.oec.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Patientensicherheit (IfPS)
Telefon: 0228/738367
Email: fiona.mc_dermott@ukb.uni-bonn.de

Prof. Tanja Manser
Direktorin des Instituts für Patientensicherheit (IfPS)
Telefon: 0228/287-13782
E-Mail: tanja.manser@ukb.uni-bonn.de