EKFS initiiert drei wegweisende Forschungskollegs für junge Ärzte
Pressemitteilung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung:




Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung fördert an den Universitätskliniken Bonn, Ulm und Würzburg drei fachübergreifende Forschungs- und Ausbildungsprogramme, die grundlegend für den medizinischen Fortschritt sind. Die ausgewählten Unikliniken erhalten Förderzusagen über jeweils rund 1 Million Euro für drei Jahre.


Pressemitteilung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung:

Bad Homburg, den 4. Mai 2011 - Nach einer bundesweiten Ausschreibung hat die Else Kröner-Fresenius-Stiftung aus 55 eingereichten Antragsskizzen in einem mehrstufigen Verfahren die Forschungskollegs der Universitätskliniken Bonn, Ulm und Würzburg zur Förderung ausgewählt. Die Else Kröner-Forschungskollegs stellen ein neues Strukturelement in der deutschen Hochschulmedizin dar. Das Fördervolumen beträgt je Forschungskolleg rund 1 Million Euro für drei Jahre. Bei positiver Zwischenbegutachtung kann sich eine zweite Förderphase anschließen.

Die Kollegs schaffen für hochqualifizierte junge Ärztinnen und Ärzte Freiräume für hervorragende Forschung. Sie bieten ein optimales Betreuungsumfeld und fördern gezielt den Aufbau eines eigenen Forschungsprofils bzw. einer eigenen Arbeitsgruppe. Wichtig für die Karriereplanung der Kollegiaten ist dabei die Integration des Programms in die klinische Weiterbildung.

"Unser Leitbild ist der Clinician Scientist, der die Brücke zwischen grundlagenorientierter Forschung und klinischer Anwendung schlägt und so wichtige Voraussetzungen für die Medizin der Zukunft schafft", sagt Dr. Susanne Schultz-Hector, Vorstandsmitglied der Else Kröner-Fresenius-Stiftung. "Mit den Forschungskollegs möchten wir die Begeisterung besonders talentierter junger Mediziner für die Wissenschaft fördern. Für den medizinischen Fortschritt ist es unerlässlich, dass sich hochrangige Wissenschaft entfalten kann und nicht durch die Anforderungen der Krankenversorgung, der Weiterbildung und des Studentenunterrichts in den Hintergrund gerät."

Das geförderte Forschungskolleg an der Universität Bonn untersucht die Rolle der angeborenen Immunität für die chronische Fehlfunktion von Organen. An der Universität Ulm widmet sich das Forschungsprogramm dem Themenkomplex Stammzellen, Alterung und maligne Transformation (Entartung gesunder Zellen in Tumorzellen). Am Universitätsklinikum Würzburg vermittelt das Forschungskolleg „Immunkontrolle“ eine kliniknahe und wissenschaftsorientierte Ausbildung auf dem Gebiet der immunologischen Forschung. Alle drei Standorte bieten ein umfassendes Betreuungs- und Ausbildungsangebot für die Kollegiaten sowie eine individuelle Förderung ihrer wissenschaftlichen und klinischen Laufbahn.

Forschungskolleg Universitätsklinikum Bonn / Angeborene Immunität und chronische Organdysfunktion

Das wissenschaftliche und medizinische Ziel des Programms an der Universität Bonn ist, Bonn ist, in einem fächerübergreifenden Ansatz die Rolle des angeborenen (innaten) Immunsystems für chronische Fehlfunktionen von Organen (Organdysfunktion) zu untersuchen. "Die angeborene Immunität gehört derzeit zu den Gebieten der medizinischen Grundlagenforschung, die sich mit der größten Dynamik entwickeln", sagt Prof. Dr. Thomas Klockgether, Dekan der Medizinischen Fakultät.

Es sollen neue Erkenntnisse über die Krankheitsentstehung von weit verbreiteten Erkrankungen gewonnen werden, die das Immunsystem und dessen fehlerhafte Funktion bei chronischen Erkrankungen betreffen. Die Arbeiten konzentrieren sich auf Immunmechanismen, die auf der Grundlage von nicht-mikrobiellen so genannten sterilen Entzündungen verlaufen und angeboren sind.

Die Anwendung neuester Erkenntnisse für die krankheitsnahe medizinische Forschung lässt wesentliche Fortschritte im Verständnis der Bedeutung von Entzündung und Immundysfunktion bei chronischen Erkrankungen erwarten, wie bei der Arteriosklerose (Arterienverkalkung), bei Krebs, Organfibrosen (krankhafte Bindegewebsvermehrung) oder bei degenerativen Erkrankungen des Nervensystems.

Forschungskolleg Universitätsklinikum Ulm / Stammzellen, Zellalterung und maligne Transformation

Das an der Medizinischen Fakultät in Ulm geförderte Forschungskolleg beschäftigt sich mit Stammzellen, der Alterungsforschung und der Entartung gesunder Zellen in Tumorzellen (maligne Transformation). Dieser Prozess ist mit Zellalterung verbunden, und es wird vermutet, dass gewebespezifische Stammzellen oder auch "cancer-initiating stem cells" daran beteiligt sind.

"Die Aneignung und Entwicklung mechanistischer Ansätze und Methoden im Bereich maligner Transformation, Stammzellen und Alterungsforschung soll junge Mediziner in die Lage versetzen, klinische Fragestellungen in eigene Forschungskonzepte umzusetzen", sagt Prof. Dr. rer. nat. Hartmut Geiger, Leiter der Abteilung Experimentelle Dermatologie-Alterungsforschung und stellv. Sprecher des Kollegs. "Diese Ansätze können nach erfolgreicher Bearbeitung nicht nur zu verbesserten diagnostischen Verfahren sondern auch zu neuartigen vielversprechenden Therapien führen", so Prof. Dr. med. Stephan Stilgenbauer, Leitender Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin III und Sprecher des Kollegs. An dem Forschungskolleg sind neun Institute und Kliniken beteiligt mit den Fachgebieten: Dermatologie und Allergologie, Innere Medizin III (Hämatologie, Onkologie, Rheumatologie und Infektiologie), Kinder- und Jugendmedizin, experimentelle Tumorforschung, Immunologie, Molekulare Medizin, Pathologie, Physiologische Chemie sowie Transfusionsmedizin.

Forschungskolleg Universitätsklinikum Würzburg / Immunologische Grundlagenforschung

Im Vordergrund des Forschungskollegs Immunkontrolle am Universitätsklinikum Würzburg stehen Regulationsmechanismen des Immunsystems, das bei Krebs- und Infektionserkrankungen in seiner Abwehrfunktion versagt und bei Allergien, Autoimmun- und Abstoßungsreaktionen Krankheiten auslösen kann. "Es soll fachübergreifend das Bewusstsein dafür geschärft werden, dass immunologische Prozesse in verschiedensten Krankheitsbildern, z. B. Herzkreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen, eine bedeutende Rolle spielen können", sagt Dr. Andreas Beilhack von der Medizinischen Klinik & Poliklinik II, der eine Forschergruppe im Zentrum für Experimentelle Molekulare Medizin leitet.

Else Kröner-Forschungskollegiaten werden während der dreijährigen Laufzeit vor allem auf dem Gebiet der zellulären und molekularen Immunologie ausgebildet. Um die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu verstärken, werden fünf Kliniken und drei Institute die Else-Kröner-Kollegiaten unter Führung des Würzburger Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung (IZKF) betreuen. "Der klinische Umgang mit immunologischen Problemstellungen wie Allergien, Autoimmunerkrankungen, Organ- und Stammzelltransplantation oder Tumorimmunologie kann enorm von einem Austausch zwischen den Fachrichtungen profitieren", stellt PD Dr. Jörg Wischhusen von der Würzburger Universitäts-Frauenklinik fest. Die Möglichkeit, sich mit intensiver Unterstützung und Betreuung ein Jahr lang ausschließlich auf den Aufbau eines Forschungsprojekts zu fokussieren, wird wichtige und interessante Beiträge zu diesem Forschungsgebiet liefern und für die Kollegiaten den Grundstein einer hochrangigen wissenschaftlichen Laufbahn legen.

In allen drei finanzierten Kollegs wird ein besonderes Augenmerk auf die individuelle Karriereförderung der Kollegiaten gelegt, um die wissenschaftliche Tätigkeit mit einem klaren beruflichen Ausblick zu verbinden. Neben mehrköpfigen wissenschaftlichen Betreuungskomitees stehen den Kollegiaten erfahrene Mentoren als Berater zur Verfügung. Durch eine internationale Ausschreibung sollen auch Spitzenbewerber aus dem Ausland für die Forschungskollegs gewonnen werden.

Kontakt
Dr. Susanne Schultz-Hector
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Postfach 1852
61352 Bad Homburg
Tel.: (06172) 897510
E-Mail: kontakt@ekfs.de

Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung wurde im Jahr 1983 von Else Kröner, geb. Fernau, gegründet. Else Kröner, die 1988 starb, hat der Stiftung testamentarisch ihr gesamtes Vermögen vermacht. Die gemeinnützige EKFS widmet sich der Förderung klinisch orientierter biomedizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte. Die Stiftung fördert satzungsgemäß nur solche Forschungsaufgaben, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind. Bis heute hat die Stiftung rund 900 Projekte mit einem Gesamtvolumen von ca. 100 Millionen Euro gefördert.