Gebündelte Schallwellen zerstören Tumoren
Uni-Klinikum Bonn nimmt neuartiges Gerät für Hochintensiven Fokussierten Ultraschall in Betrieb



Die Klinik für Radiologie am Universitätsklinikum Bonn hat ein neuartiges Gerät für Hochintensiven Fokussierten Ultraschall (HIFU) in Betrieb genommen. Mit diesem neuen Verfahren lassen sich Tumore gezielt und nicht-invasiv durch die intakte Haut zerstören. Es ist das erste HIFU-Gerät dieser Art im deutschsprachigen Raum, mit dem erstmals nicht nur die Tumorbehandlung, sondern auch eine bildgebende Steuerung über die selbe Ultraschallsonde möglich ist. Zudem bleibt diese während der ganzen Behandlung außerhalb des Körpers.


Bei dem neuen Verfahren wird das Tumorgewebe durch Hitze punktgenau zerstört. Der Schallkopf des Geräts bündelt die Ultraschallwellen im Zielgewebe - ähnlich wie ein Vergrößerungsglas die Sonnenstrahlen. Dabei entstehen Temperaturen von bis zu 90 Grad. Die durch die Schallwellen übertragene Energie trifft genau auf den Tumor. Um das umliegende Gewebe zu schonen, ist eine exakte Zielführung notwendig. Dazu gehört über eine initiale Lokalisation des zu therapierenden Bereichs hinaus auch eine Kompensation von Bewegungen während der Atmung. „Hier könnte der Hauptvorteil von Ultraschall-gesteuerten Geräten wie dem unsrigen liegen. Denn anders als bei einer Steuerung mittels Magnet-Resonanz-Tomographie sind sowohl die Bilder zur Kontrolle als auch die Fokussierung der Schallwellen in Echtzeit möglich. Somit können wir unser Gerät auch im Bereich der Oberbauchorgane einsetzen“, sagt Prof. Dr. Holger Strunk, Oberarzt an der Klinik für Radiologie des Universitätsklinikums Bonn.

Die Tumorbehandlung mit fokussiertem Ultraschall ist eine sehr schonende Therapieform, die ganz ohne Skalpell auskommt. Zudem werden im Gegensatz zu anderen Verfahren keine Sonden in den Körper eingebracht. „Das Verfahren ist vom Zugangsweg her betrachtet vollständig nicht-invasiv“, sagt Prof. Strunk. Zudem wird der Patient keiner schädlichen Strahlenbelastung ausgesetzt. Die Haut wird nicht verletzt, da der Ultraschall nur in der Tiefe des Gewebes wirkt.

Wie von Geisterhand wird der Tumor zerstört

Der Patient liegt auf einem beweglichen Patiententisch mit Ultraschalleinheit, über die sowohl der diagnostische Ultraschall erfolgt, als auch später die hochintensiven fokussierten Ultraschallwellen abgegeben werden. Direkt daneben überwacht und steuert ein Arzt mittels Computer das Hightech-Gerät. Mit genauen Informationen zur Größe und Lage des Tumors lokalisiert er diesen millimetergenau. Dann sendet er über die Ultraschalleinheit einen gebündelten Impuls in das Tumorgewebe, das so erhitzt wird und später abstirbt. Dies wiederholt der Arzt an anderen Stellen so lange, bis der Tumor vollständig zerstört ist. Dabei erfolgen Kontrollen per Ultraschall, unter anderem um sicherzustellen, dass kein umliegendes, gesundes Gewebe geschädigt wird.

Die Behandlung dauert in der Regel zwei bis drei Stunden. Zu jeder Zeit ist eine Kommunikation mit dem behandelnden Arzt möglich, der den Patienten ständig im Blick hat. In Abhängigkeit von Tumorart und –lage müssen einige Eingriffe in Vollnarkose durchgeführt werden, bei anderen – so beispielsweise den meisten Gebärmuttermyomen – sind Schmerzmittel ausreichend. „Hierbei kann es vorkommen, dass die Patienten eine leichte Erwärmung der Haut wahrnehmen oder einen kurzen Stich verspüren, wenn der Ultraschallimpuls gesendet wird“, sagt Prof. Strunk.

Die Erfolgsraten sind vielversprechend

Die wenig belastende und auffallend risikoarme Form der Tumorbehandlung mit diesem HIFU-Gerät wird unter anderem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Leber-, Nieren-, Brust- und Knochentumoren eingesetzt sowie bei gutartigen Veränderungen in der Gebärmutter. Mittels HIFU können im Einzelfall auch Karzinome behandelt werden, die chirurgisch beispielsweise wegen einer Gefäßbeteiligung nicht operabel sind. Allerdings unterliegt das Verfahren den gleichen Limitationen wie der diagnostische Ultraschall und ist beispielsweise nicht einsetzbar, wenn das zu therapierende Gewebe hinter gas-haltigen Strukturen oder Knochen liegt. Zur Therapie von Prostatakrebs ist dieses Gerät nicht vorgesehen; hier gibt es bereits seit Jahren andere Geräte, bei denen ein spezieller Schallkopf über den Enddarm eingeführt wird.

Bonner Kongress rund um Tumorbehandlung

Die Bonner Uni-Radiologen stellen jetzt die Tumortherapie mit dem neuartigen Hochintensiven Fokussierenden Ultraschall-Gerät Fachkollegen auf dem von ihnen ausgerichteten Kongress „Bonner InterventionsOnkologie Symposium 2014" am 4. und 5. Juli vor. „Es hat noch etwas von Science-Fiction“, sagt Prof. Dr. Hans Schild, Direktor der Klinik für Radiologie am Universitätsklinikum Bonn. „Doch langfristig gesehen wird diese Therapieform immer mehr an Bedeutung gewinnen.“

Das vollständige Programm des BIOS-Symposiums gibt es unter:
http://www.uni-bonn-radiologie.de/upload/pdf/BIOS_Programm-2014.pdf

Hinweis für die Medien:
Medienvertreter sind eingeladen, sich am Freitag, 4. Juli, anlässlich des Kongresses im Großen Hörsaal des Biomedizinischen Zentrums (Gebäudenummer 344 / gegenüber dem Notfallzentrum), Sigmund-Freud-Straße 25, selbst ein Bild von den Möglichkeiten des neuartigen HIFU-Geräts zu machen. Prof. Schild steht gerne von 12 bis 13 Uhr für Fragen zur Verfügung. Um Anmeldung unter der E-Mail inka.vaeth@uni-bonn.de wird gebeten.

Kontakt für die Medien:
Prof. Dr. med. Holger Strunk
Dr. med. Dr. rer. nat. Milka Marinova
Dr. med. Maximilian Rauch
Radiologische Universitätsklinik Bonn
Telefon: 0228/287-15870
E-Mail: kontakt-hifu@ukb.uni-bonn.de
www.uni-bonn-radiologie.de